München – Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Hauptkampf bei „Steko’s Fight Night“ zwischen Weltmeister Sebastian Preuß aus München und dem Schweizer Loic Njeya gab es ein Unentschieden. Das bedeutet, dass der WM-Gürtel beim Titelverteidiger bleibt. Der Gegner wollte es nicht akzeptieren. Doch die Lösung war salomonisch: Noch im Ring einigten sich die Kontrahenten und ihre Trainer auf einen Rückkampf.
Kopfschütteln schon im ersten Kampf im fast ausverkauften Circus Krone, als Steko-Kämpfer Oscar Plasene die Deutsche Meisterschaft im Thaiboxen bis 64 Kilo gewann. Sein Gegner Bayram Gashi sah es etwas anders, worauf ihm Plasene einen Rückkampf versprach: „Wann und wo du willst.“
Ganz und gar nicht einverstanden mit dem Urteil der Punktrichter war auch die Italienerin Lorena Signetto. Sie lieferte sich mit dem Steko-Schützling Mandy Berg einen erbitterten Fight um die europäische Krone im Kickboxen bis 57,5 Kilo. Das Urteil lautete remis, sodass die Münchnerin ihren EM-Gürtel behalten darf. Wütend und laut lamentierend stapften Signetto und ihr Trainer Marco Pieropan aus dem Ring.
Keinen Zweifel gab es am Punktsieg von Bojan Aladzic. Er hatte allerdings den längsten Arbeitstag von allen. Sein EM-Boxkampf bis 67 Kilo gegen den Mazedonier war auf 12×3 Minuten angesetzt – und ging über die volle Distanz. Als Aladzic den Gürtel umgehängt bekam, meinte er übers ganze Gesicht strahlend: „Seit ich sieben Jahre alt war, habe ich davon geträumt, so was zu erreichen. Mein Traum ist heute wahr geworden.“
Eine Ringschlacht lieferten sich im Kickboxen bis 83 Kilo der Münchner Polizist Pietro Vecchio und der Tscheche Daniel Vitovec. Die beiden Super-Halbschwergewichtler standen sich bereits im Rückkampf gegenüber, das erste Aufeinandertreffen hatte unentschieden geendet und Vecchio war Weltmeister geblieben. Und knapp war es auch diesmal wieder. Beide gaben von der ersten bis zur letzten Sekunde Vollgas, am Ende reichte es für den Münchner zu einem hauchdünnen Punktsieg, was Vitovec kopfschüttelnd mit einem spöttischen Lächeln kommentierte. Vecchio war’s egal. „Heute habe ich gezeigt, dass ich der Bessere bin“, sagte er triumphierend.
Keine Diskussionen ums Urteil gab es beim Schwergewichts-WM-Kampf im Thaiboxen zwischen dem Niederländer Fred Sikking und Danyo Ilunga, dem neuen Mann im Steko-Stall. Der musste in der ersten Runde zwar kräftig einstecken, landete aber in Runde zwei eine satte Linke an Sikkings Schläfe, worauf dieser k.o. ging.
Eine klare Sache war der WM-Kampf von Marie Lang gegen die Griechin Athina Evmorfiadi. „Ich war auf einen K.o. aus, das hat leider nicht funktioniert“, meinte die Münchnerin nach ihrem eindeutigen Punktsieg. Damit ist Lang jetzt in sechs Kategorien Weltmeisterin, in den Klassen bis 60, 62,5 und 65 Kilo, jeweils im Kickboxen und im Kickboxen mit Lowkick. Insgesamt hat sie 16 WM-Gürtel gesammelt.
Einen unglaublichen Kampf lieferten sich zum Schluss Sebastian Preuß und Loic Njeya im Super-Cruisergewicht bis 90 Kilo. Der Schweizer schickte den Titelverteidiger in der ersten Runde zweimal mit seiner Linken zu Boden. Preuß war nahe am K.o., rappelte sich aber wieder auf und kam zurück. Unentschieden lautete schließlich das Urteil, der Münchner durfte seinen WM-Gürtel behalten. „Aus unserer Sicht haben wir gewonnen“, schimpfte Njeyas Trainer Roger Rubi. „Wir wollen eine Revanche.“ Preuß und sein Trainer Mladen Steko entgegneten: „Von unserer Seite aus gerne.“ Im Herbst könnte es schon so weit sein.