Traumstart für Kaymer

von Redaktion

Rheinländer nur einen Schlag hinter der Spitze – Rekordkulisse zum Auftakt der BMW Open

VON CHRISTIAN FELLNER

Eichenried – Die mächtige Gewitterfront schob von Südwesten heran. Unaufhaltsam. Dass etwas kommen würde, das wussten die Verantwortlichen ja. Nur wann? Exakt um 16.21 Uhr war Schluss. Da ertönten die Sirenen im Golfclub Eichenried. Ab ins Clubhaus hieß das Motto. Die BMW International Open und die Gewitter – kein neues Thema. In Oberbayern sind eben nicht nur Pfingstferien, sondern es ist auch Saison für Blitz und Donner, wenn es sommerlich heiß wird.

Die dreistündige Unterbrechung aber blieb das einzige Manko am ersten Turniertag im Münchner Nordosten. Bis zum frühen Nachmittag strahlte die Sonne vom Himmel, um 7.30 Uhr machten sich die ersten Golfer ans Werk. Die Zuschauer strömten am Feiertag ebenfalls schon in Scharen auf den Platz. Das Motto zog: Freier Eintritt für Gäste in Tracht – es wimmelte von Dirndln und Lederhosen. 15 500 Zuschauer zählten die Verantwortlichen. Turnierrekord. So viele Zuschauer hatte es zum Auftakt bei den BMW Open noch nie gegeben. An den Kassen gingen sogar die Tickets aus. So viele hatten die Organisatoren nicht drucken lassen. Rein durften alle – logisch.

Der Ansturm gefiel auch den Profis. Martin Kaymer zeigte sich beeindruckt. „Es sind in der früh auf den ersten Löchern schon so viele Leute mitgelaufen, auch viele Kinder“, sagt der Rheinländer. Immerhin war er auch schon um 8.40 Uhr losgegangen. Offenbar spornte die Unterstützung die deutsche Nummer eins auch richtig an. Trotz der gewohnt strapaziösen Anreisen aus den USA präsentierte sich der 34-Jährige hellwach. Genau diese erste Runde war ihm in der Vergangenheit oftmals zum Verhängnis geworden. Jetlag-geplagt verschlief den Start buchstäblich.

Nicht so am Donnerstag. 67 Schläge bedeuteten ein Ergebnis von fünf unter Par. Bis zum Abbruch – das Spiel wurde um 19.15 Uhr bis Sonnenuntergang nochmals aufgenommen – bedeutete dies Rang zwei. Ein Traumstart.

Auch Kaymer war zufrieden. „Ich habe sehr viele solide Schläge gemacht, es war nicht super, aber es waren zumindest keine großen Fehler dabei.“ Kaymer startete auf Loch 10 – und feuerte gleich richtig los. -4 bei Halbzeit der Runde, ein Top-Resultat. Danach ließ er für seinen Geschmack ein paar Chancen aus. Fazit: „Es war noch etwas Luft nach oben.“ Der Plan für die kommenden Tage hört sich einfach an: „Fairways und Grüns treffen, und wenn der Putter heißläuft, dann geht was.“ Dann könnte Kaymer nach elf Jahren tatsächlich an einen zweiten Erfolg bei den BMW Open hinschnuppern.

Nicht allen Stars erging es so gut. Das zeigte das Abschneiden von Sergio Garcia. Die Nummer 30 der Welt mühte sich zu einer 73, lag damit jenseits von Position 80. Da muss mehr kommen, damit er nicht ein freies Wochenende hat. Würde ihm in München womöglich gefallen, den Verantwortlichen sicher weniger, die ihre Zugpferde nicht nach zwei Tagen verlieren wollen. Überraschungsführender nach zwei Dritteln der ersten Runde war der Italiener Andrea Pavan. Nur die Nummer 114 der europäischen Rangliste. Ihm gelang eine 66 (-6) – ein Schlag besser als Kaymer und der Engländer Oliver Wilson.

Aus deutscher Sicht scheint sich vieles, wenn nicht alles auf Kaymer zu fokussieren. Auch wenn noch viel Golf zu spielen ist. Doch wie in vielen Jahren zuvor, tun sich die Lokalmatadore schwer, befreit aufzuspielen. Marcel Siem redete Klartext. „Ich stehe hier zuhause sehr unter Druck, bei mir geht es um die Tourkarte.“ Mit de neuen Grüns kam er gut zurecht, der Rest seines Spiels passte aber nicht dazu. „Ich habe keine Bahnen getroffen, dann wird es auf diesem Platz sehr anstrengend.“ Dass aus dem nachvollziehbaren Vorhaben, das Turnier zu gewinnen, nun wohl nichts wird, streitet er nicht ab. „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich muss froh sein, dass ich noch eine 73 reingebracht habe. Das sah schon schlechter aus. Den Cut zu machen, wäre jetzt schon super.“ Florian Fritsch (+2) und Bernd Ritthammer (+3) erging es noch schlimmer. Für sie war es ein Fehlstart.

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