Über Minsk nach Tokio

von Redaktion

Europaspiele dienen als Qualifikation

Minsk – Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov im Tischtennis, Sebastian Brendel und Max Hoff im Kanu, Lisa Unruh mit dem Bogen oder Christian Reitz mit der Pistole: Die deutschen Namen auf der Nominiertenliste für die Europaspiele in Minsk (21. Juni bis 30. Juni) lesen sich in der Spitze durchaus prominent. Wie schon die Premiere vor vier Jahren in Baku ringt aber auch die zweite Auflage des Multisport-Events um Aufmerksamkeit. Die Elite der olympischen Kernsportarten fehlt.

Leichtathletik und Turnen tauchen zwar im Programm auf, werden aber überwiegend nicht auf Topniveau ausgetragen. Schwimmen ist gar nicht erst vertreten, da sich angesichts der Mitte Juli stattfindenden WM in Südkorea kein Platz im eng getakteten Terminkalender fand. Stattdessen prägen weniger beachtete Sportarten die Europaspiele – in mehr als der Hälfte geht es um die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio.

Das sei trotz der politischen Situation in Weißrussland ein „wichtiges Argument“ für die Entsendung eines Team Deutschlands nach Minsk gewesen, erklärte die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Uschi Schmitz.

15 Sportarten werden in Minsk angeboten, in acht von ihnen geht es direkt oder indirekt um Startplätze für Olympia im kommenden Jahr. Im Bogenschießen, Karate, Schießen mit Gewehr, Flinte und Pistole sowie Tischtennis werden Quotenplätze für Tokio vergeben. In der Leichtathletik, im Badminton, Radsport und Judo können Punkte für die Weltrangliste gesammelt werden, die jeweils für die Olympiaqualifikation herangezogen werden.

In der Leichtathletik schickt Deutschland in erster Linie junge Athleten aus der zweiten Reihe, die sich in einem neu ausgetüftelten Format nur in ausgewählten Sportarten miteinander messen und internationale Erfahrung sammeln sollen. Im Turnen ist Deutschland gar nicht repräsentiert, lediglich das Kunstturnen ist gut besetzt und dient als letzter internationaler Test vor den Weltmeisterschaften im Oktober.

EM-Medaillen wie bei den European Championships im vergangenen Jahr können in Minsk nur Kanuten und Judoka gewinnen. Dort schicken die Verbände ihre stärksten Sportler um Judo-Ex-Weltmeister Alexander Wieczerzak oder Kanu-Olympiasieger Brendel ins Rennen. Auch Tischtennis ist unter anderem durch Rekordeuropameister Boll stark vertreten. „Wir sind alle ein bisschen müde, die Saison ist schon lang. Aber fürs Olympia-Ticket lohnt es sich, sich zusammenzureißen. Das ist die große Motivation“, sagte Boll.  sid

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