Hummels zum BVB

Zwei Wetten, die schiefgehen könnten

von Redaktion

CHRISTOPHER MELTZER

Als Niko Kovac im Pokalfinale 2018 mit Eintracht Frankfurt den FC Bayern überlistete, diese Geschichte hat sich längst herumgesprochen, flüsterte er seinen Fußballern vor dem Spiel ein, wie und wo sie in die Abwehr des Favoriten einfallen können. Sein Plan: lange Bälle auf Mats Hummels.

Als Kovac dann im Pokalfinale 2019 mit dem FC Bayern, seinem neuen Club, RB Leipzig besiegte, setzte er in der Innenverteidigung auf Hummels. Sein Plan ging wieder auf: Leipzig schoss kein Tor.

Niko Kovac und Mats Hummels – das ist, wenn man nun auf Meisterschaft und Pokal zurückblickt, immerhin noch eine kleine Erfolgsgeschichte geworden, aber eine große, das steht jetzt endgültig fest, wird es nicht mehr werden. An Hinweisen darauf mangelte es im ersten und letzten gemeinsamen Jahr von Cheftrainer und Abwehrchef (zumindest dem Selbstverständnis nach) nicht. Kovac setzte Hummels zunächst immer wieder auf die Bank, Hummels nörgelte immer wieder über die Taktik (ohne Kovac namentlich zu nennen). Jetzt haben die Bayern den Innenverteidiger verkauft. Und man darf davon ausgehen, dass Kovac nicht zu heftig protestiert hat.

Natürlich hat Kovac nicht vergessen, was er seinen Frankfurtern damals im Pokalfinale aufgetragen hat. Es fehlt Hummels eben an Schnelligkeit und Athletik, zwei Kernkompetenzen moderner Verteidiger. Wenn Stürmer auf höchstem Niveau mit Tempo angreifen, wirkte er überfordert. Auch mit 30 Jahren rückt er immer noch zu früh aus der Viererkette heraus, was seine Mitspieler nicht selten in Bedrängnis bringt. Ganz grundsätzlich zieht Kovac einen anderen Verteidigertyp vor (Joachim Löw übrigens auch). Dazu passt ein Bericht des BR: Angeblich teilten die Bayern Hummels neulich mit, in der Innenverteidigung zunächst fest auf Niklas Süle und Lucas Hernández setzen zu wollen. Das kam nicht gut an bei Hummels, der ja nicht versteht, warum irgendein Fußballverein dieser Welt nicht auf ihn setzen sollte.

Mit dem Verkauf von Hummels gehen die Bayern jedenfalls zwei Wetten ein: dass Hernández fit genug und Benjamin Pavard gut genug ist. Trifft das nicht zu, könnten sie Hummels schnell vermissen: seine Kopfballstärke, seine Zweikampfhärte, auch seinen Siegeswillen.

Diese Fähigkeiten hat sich der BVB nun für mehr als 30 Millionen Euro gekauft – auch das ist eine Wette, die schiefgehen könnte. In Dortmund glaubt man nämlich, dass der erfahrene Hummels das letzte Puzzlestück ist, um Meister zu werden. Man sollte aber auf einen Widerspruch hinweisen: Der Vizemeister setzt seine Hoffnungen auf einen Spieler, der für den Meister ganz offenbar nicht mehr gut genug war.

christopher.meltzer@ovb.net

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