München – Danilo Barthel hopste auf seine Bayern-Basketballer zu, dann rammte er die wuchtige Meistertrophäe der Basketball-Bundesliga in Richtung Hallendach. Womit sie endgültig losgetreten war, die große Sause im oftmals so beschaulichen Audi Dome. Es war das glückliche Ende eines an Dramatik schwer zu überbietenden Basketball-Abends. Barthel und seine Münchner waren schon tot gewesen, in dieser unfassbaren dritten Partie der Finalserie gegen Alba Berlin.
Und doch standen sie am Ende wieder im Konfettiregen. 93:88 (76:76, 32:46)) nach Verlängerung entschieden die Bayern auch dieses Duell für sich. Punkt Nummer drei, perfekt sind sie die optimalen Playoffs ohne Niederlage. Der alte Champion ist auch der – zum fünften Mal heißt der Deutsche Meister FC Bayern. Nihad Djedovic, erwartungsgemäß zum wertvollsten Spieler der Finalserie gekürt, kam aus dem Strahlen nicht heraus: „Ich bin glücklich.“
Auch Präsident Uli Hoeneß zauberte dies das typische Präsident-Uli-Hoeneß-Lächeln ins Gesicht. Der Bayern-Patron hatte für den gestrigen Showdown extra seinen Urlaub abgebrochen. „Ich bin froh, dass ich das getan habe“, schwärmte er, „das Spiel war nichts für schwache Nerven. Aber jetzt gibt es eine Party, die sich gewaschen hat.“ Die bis in die Morgenstunden dauern werde, wie US-Forward Derrick Williams anfügte.
Dabei hatten die Berliner zuvor lange Zeit bewiesen, dass sie nicht viel von der Statistik hielten. Die besagte, dass ein 0:2 im Finale vor 30 Jahren zum ersten und einzigen Mal gedreht wurde. Bayreuth luchste seinerzeit Bayer Leverkusen den Titel noch ab. Und Berlin? Nahm Fast schon spielerisch nahm Alba dem FC Bayern einen wuchtigen 11:5-Start weg. Wo es möglich war, drückten die Albatrosse aufs Tempo und suchten den schnellen Abschluss. Ganz nach dem Geschmack von Trainerfuchs Aito Garcia Reneses eben, der wohl heute endgültig über seine Zukunft entscheiden wird. Seine Worte gestern hatten einen Hauch von Abschied („Es war etwas Besonderes, für diesen Verein zu arbeiten.“)
Noch in Spiel zwei am Mittwoch hatten die Bayern dem Gegner in dessen Hochphasen entspannt zugesehen und dann entschlossen zugepackt. Diesmal sah es brenzliger Aus. Weil Berlin um den quirligen Peyton Siva (21 Punkte) hochprozentig traf und Danilo Barthel und Kollegen im Gegenzug Nerven zeigten. Zehn Ballverluste hatten die sich schon zur Pause geleistet. Eigentlich zuviel in engen Finalspielen. Die kleinliche Linie der Unparteiischen brachte auf beiden Seiten auch nicht unbedingt Ruhe ins Spiel.
Und doch durften die Münchner Verantwortlichen trotz zwischenzeitlich 15 Punkten Rückstand (43:58) die Reisepläne zum möglichen vierten Finale am Dienstag schnell wieder in den Gedanken-Schredder versenken. Weil die Bayern spät, aber eben nicht zu spät doch Zugriff auf diese Partie bekamen. „Alba war unglaublich stark“, sagte der frisch Bier-geduschte Geschäftsführer Marko Pesic, „aber unser Team hat einen unglaublichen Charakter.
Im Schlussviertel erhöhten die Bayern die Schlagzahl in der Defensive. Vorne zeigte vor allem Vladimir Lucic warum sich dieser Tage so manche europäische Topadresse für ihn interessiert. Der Berliner Vorsprung schmolz dahin, der mit 6500 Zuschauern natürlich restlos ausverkaufte Audi Dome kochte.
Die Verlängerung musste entscheiden. Die begannen zwar mit einem Genickschlag in Gestalt des fünften Fouls für den bärenstarken Regisseur Stefan Jovic. Und doch wer das eine Chance, die sich der Titelverteidiger nicht entgehen ließ.
Damilo Barthel versenkte kurz vor Schluss einen Dreier und wischte damit endgültig die letzten Zweifel am Münchner Meisterstück beiseite.