Eichenried – 72 Löcher waren nicht genug. Nach den regulären vier Runden gab es gestern Nachmittag keinen Sieger bei den BMW International Open der Golfprofis in Eichenried. Eine Verlängerung musste her: das Stechen. Matthew Fitzpatrick, 24 Jahre, Engländer, und Andrea Pavan, 30, Italiener – die beiden stritten sich um den Siegerscheck in Höhe von 333 330 Euro. Nicht ohne. Dafür kann man schon noch ein paar Extrarunden drehen.
Beide hatten ein Ergebnis von 15 unter Par ins Clubhaus gebracht. Pavan mit einem starken Schlussspurt, Fitzpatrick hangelte sich eher über die Ziellinie, schaffte es mit einem finale Birdie noch in besagtes Playoff. Das brachte auf dem zweiten Extra-Loch die Entscheidung: Der Italiener machte das Rennen. Und wie es im Golf nicht selten vorkommt: Nach zwei durchwachsenen Schlägen reichte ihm ein genialer, um dem Konkurrenten den vermeintlichen Vorteil zu entreißen. Aus dem tiefen Gras schlug Pavan den Ball 60 Zentimeter ans Loch, rollte den Putt sicher rein – und hatte die Trophäe gewonnen. Fitzpatrick haderte über einen schlechten Bunkerschlag, brauchte zwei Putts – aus, vorbei.
Pavan feierte im Stillen, eher andächtig, musste dann aber schauen, dass er von seinem wild gewordenen Caddie nicht über den Haufen gesprungen wurde. Cristian Molina, der die BMW Open 2014 an der Seite von Fabrizio Zanotti in Köln schon einmal gewonnen hatte, scheint ein echtes Energiebündel zu sein. Der Argentinier – einen Kopf kleiner als sein Spieler und mit einer Figur wie ein kleiner, rundlicher italienischer Pizzabäcker ausgestattet – stürmte auf Pavan los. „Gut, dass ich viel im Kraftraum trainiere, so geht das schon“, sagt Pavan hinterher gelassen und lachte. „Er macht das immer, wenn ich etwas Außergewöhnliches schaffe.“
Allzu viel war das in seiner bisherigen Profikarriere noch nicht gewesen. 2018 erst schaffte der Römer den Durchbruch, gewann in Tschechien erstmals auf der European Tour, wurde einmal Dritter. Ein Trend, den er heuer nicht aufrecht erhalten konnte. Kein Top-Zehn-Rang war ihm bis dato vergönnt gewesen.
Logisch, dass eigentlich Supertalent Fitzpatrick als Favorit für das Stechen galt. Der ist fünffacher Toursieger im jungen Alter, hat zwei davon im Playoff gewonnen, ging mit einer 100-Prozent-Quote in die Zusatzlöcher. Doch: Jede Serie hat einmal ein Ende. „Es war insgesamt eine gute Woche, aber natürlich bin ich enttäuscht, dass ich es nicht nach Hause gebracht habe.“
Stattdessen jubelte Pavan, der schon nach der ersten Runde geführt hatte, über Sieg Nummer zwei. „Ich bin schon mit guter Form angereist“, betont er. „Nur der Driver war immer mein Problem.“ Auch in München. Also ließ er ihn in der Tasche. Für Loch 18, das 518 Meter lange Par 5, definitiv ein Nachteil. Er schlug ständig mit dem kleinen Holz ab, während die Konkurrenz die großen Keulen an ihm vorbeidonnerte. „Aber im entscheidenden Moment hab’ ich das Birdie gemacht“, resümierte der Champion strahlend.
Die Trophäe hätte auch Martin Kaymer gerne in die Hände genommen. Doch: Am Wochenende schoss sich der 34-Jährige aus dem Rennen. Genauer gesagt am Samstag. „Ich habe gar nicht so viel schlechter gespielt, nur keinen einzigen Putt gemacht“, bilanzierte er enttäuscht nach der 75 (+3), die ihn aus der alleinigen Führung auf Position zehn zurückgeworfen hatte. „Auf gut Deutsch hatte ich einfach den Scheiß am Schläger.“ Ein mächtiger Dämpfer, von dem sich der Rheinländer auch am Schlusstag nicht wirklich erholte. Eine 70er-Runde zum Abschluss war solide, brachte ihn aber auch nur auf Platz 16. Die große Aufholjagd blieb aus.
„Ich nehme viel Positives mit, konzentriere mich darauf“, sagte er mit Blick nach vorne. „Es kommen noch einige wichtige Wochen.“ In Eichenried fühlte er sich als Opfer zweier Spielbahnen: „Loch sechs und elf waren meine Killer.“ Zwei der leichtesten, zwei kurze Par 5, an denen es sonst Birdies hagelte. Kaymer spielte +4 in der Endabrechnung. „Normalerweise machst du das mit -4.“
Besser als Kaymer erging es auch den anderen Deutschen nicht. Am Wochenende wurden sie alle im Klassement nach hinten gespült. Max Kieffer landete auf Rang 35, Max Schmitt versemmelte die Schlussrunde komplett (+4) und fiel Platz 53 zurück, wo sich auch Dominic Foos einfand. Ein unschönes Ende eines eindrucksvollen Heimspiels, das einmal mehr über 60 000 Zuschauer in den Münchner Nordosten lockte. Pavan wird gerne zurückkommen – als Titelverteidiger. Die BMW International Open bleiben ja bis 2022 erst einmal sicher in Bayern.