Dieses Jahr Seider – nächstes Jahr Peterka?

von Redaktion

NHL-Draft mit Überraschung durch den Mannheimer Jungstar – EHC München: Eistraining und Alpenüberquerung

VON GÜNTER KLEIN

München – In den Playoffs ließ er sich keinen Playoff-Bart wachsen. Dafür musste er sich nicht rasieren. Moritz Seider hat noch komplett glatte Haut. Auch als der Mannheimer nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Tschechien bei der WM in der Mixed Zone der Arena in Bratislava dastand und das Spiel analysierte, wurde der Schweiß, der ihm übers Gesicht rann, von keinem Stoppel aufgehalten.

Moritz Seider, 18, hat noch das Gesicht eines Kindes, aber schon der kräftige und breite Nacken ist Ausdruck seines Erwachsenseins. Auf dem Eis ist Seider ein ganzer Kerl – und das drückt sich nun auch in der Wertschätzung durch die Profis aus der National Hockey League aus. Am Wochenende fand in Vancouver der Draft statt, die Ziehung der Talente, ihre Verteilung auf die 31 Clubs der NHL – und bereits in der ersten Runde, an sechster Stelle, wurde Moritz Seider aufgerufen. Es war der erste Name, bei dem ein Raunen durch den Saal ging.

Die Detroit Red Wings zogen Seider – eine Überraschung, denn in allen Scouting-Einschätzungen war der gebürtige Erfurter nicht unter den Top Ten gewesen. Seine eigene Erwartung war gewesen: „Erste Runde, aber zwischen fünfzehn und zwanzig.“ 2019 galt zudem als Jahrgang exquisiter Stürmer – auch daher kam es unerwartet, dass Steve Yzerman, der General Manager der Detroit Red Wings, einen Abwehrspieler auswählte.

Yzerman ist als Spieler in Detroit eine Legende. In den 90er-Jahren waren die Red Wings eine beliebte Anlaufstelle russischer Spieler, als diese aus ihrer Heimat rauskamen. Wjatscheslaw Fetisow, Igor Larionow, Wladimir Konstantinow, Sergej Fedorow und Slawa Kozlow zogen mitten in Nordamerika ihr Spiel aus einer anderen Welt auf. In den vergangenen drei Jahren erreichten die Red Wings die Playoffs zwar nicht – dennoch sind sie ein Top-Club. Und für Seider mit die beste Option.

Der Einspielfilm, der gezeigt wurde, während Seider sich das Trikot über Hemd und Fliege streifte und die Red-Wings-Kappe aufsetzte, offenbarte, warum Detroit ihn draftete: Bei der WM in der Slowakei hatte er geglänzt. Mit zwei Toren, obwohl er mit Gehirnerschütterung zwei Spiele verpasste. Wer genau hinschaute, war Jeff Blashill. Bei der WM Coach der US-Auswahl – und im Hauptjob Trainer Detroits.

Nach dem Draft schloss Seider sich dem Development Camp der Red Wings an. Dass er schon 2019/20 nach Detroit wechselt, ist eher unwahrscheinlich: Er könnte sich vorstellen, noch ein Jahr in Mannheim zu bleiben und Abitur zu machen.

2018 gedraftet worden war Justin Schütz vom EHC München (sechste Runde, Nummer 170). Auch er ist nach Amerika gereist, um am Entwicklungstraining der Florida Panthers teilzunehmen. Eispraxis holte er sich vergangene Woche in der Akademie in Salzburg, wo Matt McIlvane (Ex-Co-Trainer München, nun Head Coach in Salzburg) und George Kink (SC Riessersee) eine Woche zweimal täglich für gut zwei Stunden zum Skaten baten. Vom EHC neben Justin Schütz dabei: Mark Voakes, Andrew Bodnarchuk, Maxi Kastner, Andy Eder, Jakob Mayenschein, Maxi Daubner, Emil Quaas, Dennis Lobach, Luca Zitterbart und John Jason Peterka.

Peterka, 17, spielte bisher mit dem Nachwuchsteam der Akademie in der tschechischen U 19 mit und ist dank seiner exorbitanten Ausbeute (45 Tore, 49 Vorlagen in 48 Spielen) ein Kandidat für eine hohe Position im Draft 2020.

Bis dahin sind noch viele Hindernisse zu überwinden. Aktuell: die Alpen. Peterka und die Skate-Camp-Kollegen sind von München zu einer Mountainbike-Tour zum Gardasee aufgebrochen.

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