„Langweilig wie eine Schafherde“

von Redaktion

Formel 1: Eintönigkeit droht zu Problem zu werden – Hamilton-Kritik an den Strukturen

Le Castellet – Wenn sogar Siege langweilig werden, dann hat die Formel 1 wohl ein ernsthaftes Problem. Und Lewis Hamilton legte nach seinem lockeren Triumph beim Großen Preis von Frankreich den Finger in die Wunde. „Ich hoffe“, sagte der Weltmeister, „dass es irgendwann wieder enger wird. Dass Ferrari ein bisschen Geschwindigkeit in den Kurven findet. Dann können wir wieder Rennen fahren.“

Zehn WM-Läufe in Serie hat Mercedes jahresübergreifend nun gewonnen, acht der Siege gingen an Hamilton, schon nach gut einem Drittel der Saison scheint dem Engländer der nächste Titel kaum zu nehmen. Denn Ferrari und Sebastian Vettel sind viel zu selten konkurrenzfähig – und für die Königsklasse ist das Gift.

„Die Formel 1 muss sich verändern, oder sie wird sterben“, schrieb der englische „Telegraph“: „Das ereignislose Frankreich-Rennen hat der Formel 1 einen Bärendienst erwiesen. Hamiltons Sieg diente niemandem außerhalb von Mercedes: Nicht den Veranstaltern, nicht den Fans und TV-Zuschauern. Für Hamilton war es ein Sonntagsspaziergang, und sogar er scheint sich mittlerweile ein bisschen mehr Wettbewerb zu wünschen. Die fehlende Bedrohung für Hamilton war peinlich für die Konkurrenz.“ Und auch in Italien fand man wenig Erfreuliches am achten Rennen des Jahres. „Nur Hamilton hat Spaß, das ist das Ende der Formel 1“, schrieb der „Corriere dello Sport“. Das sei „verheerend“ – und „spannend wie eine Schafherde auf einer Weide.“

Hamilton kann die Kritik an der aktuellen Eintönigkeit der Formel 1 verstehen. „Ich sehe den Schlamassel, in dem wir stecken“, sagte er: „Aber das ist nicht die Schuld der Fahrer.“ Die Formel 1 bewege sich seit Jahren in einem konstanten Kreislauf „aus schlechten Entscheidungen.“

Hintergrund seien die Strukturen der Rennserie, die noch aus der Zeit des früheren Chefvermarkters Bernie Ecclestone stammen. Die ungleiche Geldverteilung, die Schwäche des Weltverbands FIA als oberste Sportbehörde und den zu großen Einfluss der Teams auf das Regelwerk sieht Hamilton als Probleme. „Wir sollten die Leute an der Spitze unter Druck setzen, die ihren Job erledigen sollten“, sagte der fünfmalige Weltmeister.  sid

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