München – Popeye konnte nicht irren. Seit neunzig Jahren gibt es die Comicfigur des Seemanns, der, wann immer sich ein Konflikt anbahnt, Spinat vertilgt. Am besten aus der Dose, hochdosiert im Wortsinne also. Derart gestärkt haut der Matrose alle Gegner weg. Ein Fall von Doping? Wie auch schon der der Asterix-Gallier, wenn sie vor einer weiteren Schlacht gegen die Römer ihren Zaubertrank kippen?
Was den Popeye-Spinat betrifft, könnte das tatsächlich so sein, dass er leistungssteigernde Wirkung entfaltet. Spinat sei gut fürs Wachstum, wegen des darin enthaltenen Eisens, hieß es immer schon. Seit einer Studie schwedischer Wissenschaftler des Karolinska-Instituts von 2012 gilt als belegt, dass es das Nitrat ist, welches die Ausdauer und den Muskelaufbau fördern kann.
Und nun kommen neue Erkenntnisse dazu. Wie die „ARD-Radio-Recherche Sport“ berichtet, ließ die Welt-Anti-Doping-Agentur von der Freuen Universität Berlin eine groß angelegte Humanstudie durchführen. Zwei Gruppen von Sportlern absolvierten zehn Wochen lang ein Krafttraining, die eine erhielt zusätzlich die Substanz Ecdysteron, die in der Spinatpflanze enthalten ist. Ergebnis: ein dreimal so hoher Kraftzuwachs im Vergleich zur spinatlosen Gruppe. „Dass die Leistungssteigerung so groß sein würde, hatten wir nicht erwartet“, sagt die Berliner Pharmazeutin Professor Maria Parr. Zuvor war die Wirkung an Tieren getestet worden, die dickere Muskelfasern bekamen. Maria Parr empfiehlt der WADA, Ecdysteron auf die Dopingliste zu setzen. Es gibt nämlich legale Nahrungsergänzungsmittel mit besagter Substanz, und vor allem im russischen Sport soll Ecdysteron eine Rolle spielen.
Spinat als Geheimtipp unter Hochleistungssportlern – warum nicht? Seit etwa zwei Jahren ist auch die rote Beete sehr angesagt. Das Gemüse wirkt ähnlich wie Spinat, auch hier wirkt Nitrat und begünstigt zudem die Durchblutung, was wiederum die Sauerstoffaufnahmefähigkeit erhöht. Eine Studie liegt dazu vor.
Praktisch an der Roten Beete: Man kann sie auch trinken. Den Saft gibt es im Supermarkt. Nicht weit entfernt von der Süßkartoffel. Die ist – neben den Chicken Nuggets eines bekannten Fastfood-Anbieters – das Leibgericht des jamaikanischen Supersprinters Usain Bolt. Wenn die Dopingfrage kam – er verwies stets auf seine geliebte Kartoffelknolle.
Und in der Tat: 2015 wurde sie zum „gesündesten Gemüse der Welt“ gekürt. Wegen ihres reichen Angebots an Vitaminen und der Qualität ihrer Kohlehydrate (längeres Sättigungsgefühl). Schaden tut die Süßkartoffel überhaupt nicht. Ebenso wenig wie Rote Beete und Spinat. Die FU Berlin jedenfalls hat bei ihrer Untersuchung keinerlei schädliche Nebenwirkung entdecken können.
Was Popeye betrifft, so war der seiner Zeit voraus. Da man ihn immer nur Spinat essen sah in den Cartoons und Filmen, ist davor auszugehen, dass er Veganer war und ist. Sein tätowierter Unterarm mag eine ganze Generation von Fußballern inspiriert haben, und die Proportion von Popeys Gliedmaßen erscheint ebenfalls zeitgemäß. Leider wurde nie offenbar, ob er auch einen Christiano-Ronaldo-artigen Sixpack hat.
Was schlecht ist an Popeye: Er raucht. Auch wenn es nur Pfeife ist: nicht sportler-like.
Und wie geht es weiter in der großen und schlimmen Dopinggeschichte des Sports? Wird Spinat verboten? Grundsätzlich sicher nicht. Vielleicht zieht man die Kapseln mit Spinat-Extrakt aus dem Verkehr, doch der Sportler kann auch rohen Blattspinat essen und eine vorteilhafte Wirkung erzielen. Naturprodukt ist Naturprodukt. Wie auch alles, was im gallischen Zaubertrank enthalten ist: Misteln, Fisch, Steinöl, Klee, Kräuter, Gräser, Wurzeln, Honig, Met, Karotten, Salz. Klingt gesund.