„Hunderttausend Mal besser als Sofa“

von Redaktion

F1-Rückkehrer Robert Kubica fährt mit Williams zwar hinterher, genießt aber sein Comeback

Spielberg – Bis zu seinem schweren Unfall 2007 in Kanada galt Robert Kubica als großes Talent, danach stockte die Karriere, auch wenn er 2008 in Montreal gewinnen konnte (sein einziger GP-Sieg). 2011 verletzte sich Kubica schwer bei einem Rallye-Unfall. Zu Beginn dieser Saison kehrte der inzwischen 34-jährige Pole für Williams in die Formel 1 zurück. Alleine, es läuft nicht. Nach acht Rennen hat er null Punkte eingefahren.

Herr Kubica, man hat viel von Ihnen gelesen in letzter Zeit. Unter anderem, dass Sie beklagt haben, Ihr Teamkollege George Russell hätte ein anderes, sprich besseres Auto?

Das habe ich nicht behauptet. Ich stelle klar, dass wir nicht verschiedene Autos haben. Was aber Fakt ist: Wir gehen immer verschiedene Wege in der Fahrzeugabstimmung. Es ist für das ganze Team eine schwierige Situation. Und ja, ich habe einige Probleme mit der Performance des Autos. Dem Wagen fehlt es an Konstanz, er verändert sein Fahrverhalten oft von einer Session zur anderen, ohne dass wir genau wissen warum.

Sie sind mit Ihrem Team bislang nicht konkurrenzfähig. Bereuen Sie die Rückkehr in die Königsklasse?

Ganz klar, nein! Ich habe es mir lediglich weniger kompliziert vorgestellt, weniger schwierig. Wir dachten, durch die neuen Regeln könnten wir die Probleme lösen, die wir schon vergangenes Jahr hatten. Dem war aber nicht so.

Warum?

Es fing damit an, dass das Auto zu spät fertig wurde und uns deshalb wertvolle Testzeit verloren ging. Dann setzten sich die Probleme fort. Es ist schwierig, die Ursache einzukreisen, warum sich das Auto so inkonstant verhält. Im Moment drehen wir uns im Kreis. Aber um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen. Nein, ich bereue gar nichts. Ich liebe den Sport und ich wollte unbedingt zurück in die Formel 1. Das habe ich geschafft. Und es ist hunderttausend Mal besser, sich hier in der Formel 1 mit Problemen auseinanderzusetzen als zu Hause faul auf dem Sofa zu liegen und die Rennen im Fernsehen zu verfolgen.

Das heißt, Ihr Selbstvertrauen hat nicht gelitten?

Nein. Wenn man weiß, warum die Performance nicht stimmt, und weiß, dass es nicht an dir liegt, verlierst du nicht den Glauben an dich selbst. Dass ich nicht mit den Leistungen zufrieden bin, ist doch klar. Das wäre ich aber früher auch nicht gewesen. Wichtig ist, aus der schwierigen Situation zu lernen, die Schwächen zu erkennen und abzustellen, und stur deinen Weg weitergehen.

Glauben Sie, dass Sie mit einem Mercedes Rennen gewinnen könnten?

Die Frage will ich nicht beantworten. Hätte ich auch früher nicht getan. Es gibt zu viele Faktoren, die Performance beeinflussen können. Deshalb kann ich diese Frage nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Aber eines kann ich sagen: Meine Probleme im Moment haben nichts mit meinem angeblichen Handicap des verletzten rechten Arms zu tun. Würde er mich wirklich beim Fahren limitieren, würde ich das als Erster zugeben. Ich muss aber mit den Vorurteilen leben, die manche Menschen eben haben.

Abgesehen von Ihrem Kampf mit dem Williams: Wie beurteilen Sie die Formel 1 von 2019?

Die Autos haben sich seit 2010 extrem verändert. Das könnte auch eines meiner Probleme sein. Weil ich das Fahrgefühl von damals, beispielsweise vom BMW, noch tief in mir verwurzelt habe. Die Autos heute sind größer, breiter – und vor allen Dingen 140 Kilogramm schwerer. Das alles hat einen großen Einfluss auf die Reifen. Damals konntest du, ja musstest du jede Runde am Limit fahren, um vorne bei der Musik zu sein. Heute haben die Grand Prix mehr mit Langstreckenrennen zu tun. Wenn du zu sehr attackierst, ruinierst du die Reifen und kannst das Rennen vergessen.

Welche Folgen hat das?

Du musst quasi das Langsamfahren, das effiziente Fahren lernen, um erfolgreich zu sein. Besonders die 140 Kilo schwereren Autos, das entspricht ungefähr dem Gewicht von zwei Fahrern. Gegenüber damals fahren wir also quasi einen Dreisitzer. Ich hätte damals schon meine zwei BMW-Teamkollegen Sebastian Vettel und Timo Glock auf die Seitenkästen setzen müssen, um das Fahrgefühl von heute zu haben.

Sie fahren gegen eine neue Fahrergeneration. Was halten Sie von den Kollegen, die immer jünger werden?

Damals vom Sofa aus (Kubica lacht) habe ich vor allem Max Verstappen gleich bewundert. Ich bin normalerweise kein so emotionaler Typ, aber als er mit so jungen Jahren sein erstes Rennen in Barcelona gewann, war ich tief berührt. Ich war extrem beeindruckt, weil ich weiß, wie schwer es ist, zu gewinnen.

Landen Piloten mittlerweile zu früh in einem Cockpit?

Die Jungs sind nicht zu jung. Die sind mit 18 so viel weiter, als ich es war, als ich 2006 zu BMW ging. Ich musste mir die komplizierte Formel 1 im ersten Jahr quasi im Schnelldurchgang erarbeiten. Es ist noch gar nicht so lange her, da ging es eigentlich nur um eins: Einsteigen und sauschnell sein. Fitnesstraining, Vertiefen in Daten, mentale Vorbereitung, die gab es nicht groß. Michael Schumacher war der Erste, der damit anfing und die Latte zwei Stufen höher legte. Aber so ist das eben. Die ganze Welt hat sich verändert und das ist nur ein Teil davon.

Interview: Ralf Bach

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