Biathlon-Coach Stitzl kämpft um sein Gewehr

von Redaktion

Der 45-Jährige soll Reichsbürger sein – Landratsamt zog seine Waffen schon 2017 ein

VON ARMIN GIBIS

München – Andreas Stitzl ist in seiner Zeit als Co-Trainer der Biathlon-Nationalmannschaft unüberhörbar gewesen. Der agile Mann aus dem Chiemgau feuerte bei Weltcup-Rennen die deutschen Skijäger mit sich überschlagender Stimme derart lautstark und leidenschaftlich an, dass sogar sein Temperament zum Thema der Sportberichterstattung wurde. Die „FAZ“ taufte ihn gar „Rumplstitzl“. Allerdings sieht es nun ganz danach aus, dass es um den Traunsteiner bis auf Weiteres – zumindest in der Sportszene – ruhiger werden dürfte. Wie gestern bekannt wurde, wird vor dem Verwaltungsgericht München verhandelt, ob er ein Gewehr besitzen darf. Und das hat politische Gründe. Stitzl steht im Verdacht, ein sogenannter Reichsbürger zu sein. Der 45-Jährige bestreitet jedoch, diesen Kreisen nahezustehen.

Die Reichsbürgerbewegung, die schon seit geraumer Zeit im Visier des Verfassungsschutzes steht, bestreitet die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als legitimen und souveränen Staat und lehnt deren Rechtsordnung ab. Offenkundig sind dabei rechtsextreme Tendenzen, die nicht selten aktenkundig werden. Stitzl wird dem Dunstkreis dieser höchst dubiosen Szene zugeordnet. Eine Einschätzung, gegen die sich Stitzl vor dem Verwaltungsgericht München zur Wehr setzt. Er will damit auch erreichen, dass er seine schon vor zwei Jahren eingezogenen Waffen zurückerhält. Die Verhandlung ist für den 10. Juli anberaumt. Auf der Tagesordnung steht: „Andreas Stitzl gegen Freistaat Bayern wegen Widerruf der Waffenbesitzkarte.“

Auffällig wurde Stitzl, als er beim Landsratsamt Traunstein einen Antrag auf einen Staatsangehörigkeitsausweis stellte und dabei „reichsbürgertypische Angaben“ gemacht habe. Laut dem Verwaltungsgericht München bezog er sich in seinem Antrag auf das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 und gab als weitere Staatsangehörigkeit „Königreich Bayern“ an. Das Landratsamt Traunstein entzog Stitzl im Februar 2017 seine Waffenbesitzkarte für Sportschützen und forderte ihn auf, seine Waffen beim Landratsamt abzugeben. Der Sportsoldat, der zu diesem Zeitpunkt noch Co-Bundestrainer war, überbrachte daraufhin den Behörden auch sein Biathlon-Gewehr. Stitzl klagt nun vor dem Verwaltungsgericht gegen den Widerruf seiner Waffenbesitzkarte.

Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation des Deutschen Skiverbandes (DSV), erklärte gestern, dass der DSV von diesen Vorwürfen wisse. Stitzl sei jedoch kein Angestellter des DSV (Arbeitgeber ist die Bundeswehr), somit seien dem Verband keine Details in dieser Angelegenheit bekannt. Man wolle nun abwarten, ob sich die Vorwürfe gegen Stitzl vor Gericht bestätigen. Davon hänge auch ab, „ob beziehungsweise in welcher Form eine Zusammenarbeit mit Stitzl zukünftig wieder denkbar ist“. Grundsätzlich erklärte Schwarzbach: „Der DSV distanziert sich natürlich glasklar vom Handeln und Denken der Reichsbürgerszene.“

Stitzl begann seine Sportkarriere als Biathlet, wurde 2001 Staffeleuropameister (an der Seite des späteren Dreifach-Olympiasiegers Michael Greis), sein bestes Einzelergebnis im Weltcup: Rang 4 in der Verfolgung in Antholz (2002). Von 2007 an arbeitete er als Trainer am Biathlon-Stützpunkt in Ruhpolding und betreute dort auch die Olympiasiegerin Kati Wilhelm. 2014 stieg der gebürtige Traunsteiner zum Leitenden Disziplintrainer der deutschen Herrenmannschaft auf, wurde somit Co-Trainer von Chefcoach Mark Kirchner. 2018 trat Stitzl von diesem Posten zurück, um an der Sporthochschule in Köln eine Trainerausbildung zu absolvieren.

Nebenher kümmerte er sich zuletzt in Ruhpolding um eine Gruppe von Nachwuchsbiathleten im Alter von 17 bis 20 Jahren. Zu dieser Beschäftigung sagte Stitzl in einem Interview, das er im vergangenen November gab: Mit einem Trainerjob im Ausland spekuliere er nicht. „Ich weiß, wo ich hingehöre. Ich bin stolz, mit deutschen Sportlern zu trainieren.“

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