München – Während Deutschland unter der Hitzewelle leidet, dürfte auch Hasan Salihamidzic immer heißer werden. Denn der Druck auf den Bayern-Sportdirektor wächst. Nachdem der 42-Jährige auf dem Transfermarkt zuletzt mehrere Körbe bekam, gibt es jetzt eine deutliche Ansage von Niko Kovac. Der Münchner Trainer fordert von Brazzo noch vier Neuzugänge. „Mit 17 Profis kommen wir nicht weit, 19 brauchen wir schon“, sagte Kovac dem „kicker“ mit Blick auf die Feldspieler. Stand jetzt stehen neben den drei Torhütern (Neuer, Ulreich, Früchtl) zwar noch 17 Mann im bayerischen Aufgebot, darunter sind mit Jerome Boateng (30) und Renato Sanches (21) aber zwei abwanderungswillige Spieler. Außerdem zählen mit Alphonso Davies (18) und Neuzugang Jann-Fiete Arp (19) zwei Akteure dazu, die ihre Bundesligatauglichkeit erst noch nachhaltig unter Beweis stellen müssen.
Findet der FCB für Boateng und Sanches Abnehmer, die die finanziellen Vorstellungen von Club und Spieler erfüllen, blieben nur noch 15 Mann für die Positionen auf dem Feld. Das soll sich ändern. Verstärkung soll nach wie vor für die offensiven Außenpositionen kommen – neben Leroy Sané (23/Manchester City) wird weiterhin Chelseas Callum Hudson-Odoi (18) umworben. Der Kicker zählt auch Steven Bergwijn (21) von der PSV Eindhoven zum Kreis der möglichen Kandidaten, auch Ousmane Dembélé (22) vom FC Barcelona gehört dazu.
Weltmeister Boateng würde mit einem Abgang eine weitere Baustelle auf der Innenverteidigerposition aufmachen. Die Münchner intensivierten zuletzt auch deshalb die Bemühungen um Ozan Kabak (19/VfB Stuttgart). Der Türke entschied sich allerdings gegen den Rekordmeister und wechselt laut übereinstimmender Medienberichte für die festgeschriebene Ablösesumme von 15 Millionen Euro zum FC Schalke 04. Der nächste Korb für Salihamidzic.
Zuvor war der FC Bayern nämlich schon mit seinem Werben um Rodrigo (22) gescheitert. Der zentrale Mittelfeldspieler von Atlético Madrid – Typ Spielgestalter – wechselt stattdessen nach England zu Manchester City. Angeblich führte das zu einem Umdenken. Demnach wollen Brazzo und Co. jetzt keinen weiteren feinen Fußballer fürs Zentrum verpflichten. Neben Thiago würde ein weiterer Spielmacher zweifelsfrei Sinn machen, allerdings tummeln sich im Mittelfeld mit Javi Martinez, Corentin Tolisso, Leon Goretzka und Renato Sanches (Stand jetzt) noch einige Bewerber für die Positionen 6 und 8 – wenn auch mit ganz anderen Qualitäten ausgestattet als Thiago.
Präsident Uli Hoeneß, der jüngst erklärte, seinen Verein nicht immer nur durch Neuzugänge definieren zu wollen, verfällt (noch) nicht in Panik. Er sagte dem Kicker mit Blick auf den schleppenden Transfersommer der Münchner: „Bis Ende Juli musst du fertig sein.“ Ein guter Monat bleibt Sportdirektor Salihamidzic also. Zur Erinnerung: Brazzo selbst war es, der im Dezember im WamS-Interview tönte: „In meiner bisherigen Arbeit habe ich wahrscheinlich mehr bewegt als meine Vorgänger in ihrer gesamten Amtszeit beim FC Bayern.“ Jetzt kann er seinen markigen Worten Taten folgen lassen.
Nach einem krisengeschüttelten Premierenjahr mit Doublegewinn am Ende baut Coach Kovac darauf, dass er mit einem starken Kader in die zweite Spielzeit starten darf. Ein Sommer ohne Großturnier der Nationalmannschaften wäre ja eigentlich ideal für eine Vorbereitung mit dem ganzen Kader – wenn der denn stehen würde. Für Kovac ist klar: „Vier Spieler brauchen wir noch!“