Mit einem Kraftakt ins Finale

von Redaktion

U21-EM  Dramatische Partie: DFB-Team ringt Rumänien mit 4:2 nieder – Endspiel gegen Spanien

VON ERIK ROOS UND MARC PLÖNNES

Bologna – Geführt, gepatzt und doch gewonnen: Die deutsche U21-Nationalmannschaft ist in der Hitze von Bologna dank der Doppelpacker Luca Waldschmidt und Nadiem Amiri erneut ins EM-Finale eingezogen. In einem dramatischen Spiel rang das Team von DFB-Trainer Stefan Kuntz Außenseiter Rumänien gestern dank einer starken zweiten Halbzeit mit 4:2 (1:2) nieder und kann am Sonntag zum insgesamt dritten Mal den EM-Titel gewinnen. „Ich kann nur den Hut vor meinen Jungs ziehen: Das haben sie ganz klasse gemacht“, sagte Kuntz nach dem Kraftakt. Im Endspiel in Udine trifft die DFB-Auswahl auf Spanien, das Frankreich im zweiten Halbfinalspiel mit 4:1 (2:1) besiegte.

Waldschmidt vom SC Freiburg per Foulelfmeter (51.) und per Freistoß in der 90. Minute sorgte gegen Rumänien nach der Pause für die Wende. Der Hoffenheimer Amiri (21. und 90.+4/Freistoß) traf ebenfalls doppelt. Nach Amiris 1:0 hatte das DFB-Team zeitweise die Kontrolle verloren und war durch zwei Treffer von George Puscas per Foulelfmeter (26.) und Kopfball (44.) sogar in Rückstand geraten.

„Ich glaube, in der ersten Halbzeit waren wir nicht so gut da. In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gespielt. Am Ende hat es gereicht“ sagte Waldschmidt, der mit nun sieben Treffern den Turnierrekord des Schweden Marcus Berg einstellte: „Ich freue mich, dass es so gut läuft. Es ist wichtig, dass wir die volle Konzentration hier haben.“

Von einem „Auswärtsspiel“ hatte Kuntz vor dem Anstoß gesprochen, gut 10 000 der 16 211 Zuschauer drückten den Rumänen die Daumen. In der hitzigen Atmosphäre behielt das deutsche Team aber kühlen Kopf – und hatte zunächst mehr vom Spiel. Allerdings fehlte es angesichts der extremen Hitze (37 Grad Celsius) auf beiden Seiten an Tempo. Das sollte sich aber ändern. Rumänien erwies sich als laufstarker und technisch versierter Gegner, der dem deutschen Team alles abverlangte.

Schon nach 15 Minuten wurde das Spiel für eine Trinkpause unterbrochen. „Wenn das Wetter für die UEFA gesundheitsgefährdend wäre, wird sie einschreiten“, hatte Kuntz zu den tropischen Temperaturen gesagt.

Die kurze Unterbrechung tat dem DFB-Team zunächst gut. Der in die Startelf gerückte Hoffenheimer Amiri marschierte nahezu ungestört durch das Mittelfeld und traf aus 17 Metern mit einem Flachschuss ins linke Eck. Amiri ersetzte Marco Richter, der dreimalige EM-Torschütze des FC Augsburg musste angeschlagen auf der Bank Platz nehmen.

Die Führung hielt allerdings nicht lange. Nach einem Foul von Timo Baumgartl (VfB Stuttgart) an Ianis Hagi, Sohn von Fußball-Legende Gheorghe Hagi, ließ Schiedsrichter Orel Grinfeld aus Israel das Spiel zunächst laufen. Nach Ansicht der Videobilder entschied er aber doch auf Elfmeter, Puscas verwandelte mit etwas Glück. Im vierten EM-Spiel musste das DFB-Team zum vierten Mal ein Gegentor durch Elfmeter hinnehmen.

Anschließend verlor das DFB-Team komplett die Kontrolle. Hinten häuften sich Fehler, vorne war nicht zuletzt von Waldschmidt (SC Freiburg) nicht viel zu sehen. Ein Ballverlust von EM-Debütant Maximilian Mittelstädt leitete den Rückstand ein, Jonathan Tah ließ Andrei Ivan flanken, in der Mitte kam Puscas gegen Baumgartl und Mittelstädt zum Kopfball. Schalke-Torwart Alexander Nübel war ohne Chance, bewahrte sein Team aber wenig später vor dem 1:3.

Erst zu Beginn des zweiten Durchgangs zeigte sich die DFB-Auswahl wieder konzentrierter und ballsicherer. Die Belohnung folgte prompt: Hagi riss Dahoud an der Strafraumgrenze zu Boden, Waldschmidt nahm das Geschenk dankend an und verwandelte ebenfalls mit etwas Glück vom Punkt. Danach lieferten sich beide Teams ein offenes, spannendes Duell auf Augenhöhe – mit dem besseren Ende für die Deutschen.

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