Bologna – Ganz ohne Verluste ging die Kabinen-Party der deutschen U21 nicht über die Bühne. „Eine Box ist leider kaputt gegangen“, sagte Nadiem Amiri über die wilde Feier nach dem Einzug ins EM-Endspiel. Doch auch ohne laute Bässe war Amiri bestens gelaunt. Schließlich hatte er soeben einen Doppelpack erzielt, und Ersatz für die nächste Feier war auch schon bestellt. „Für das Finale haben wir eine neue Box“, sagte Amiri und lachte.
Jenes Finale steigt am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Udine, wieder an einem 30. Juni, wieder gegen Spanien. Die deutsche Mannschaft kann dann Geschichte schreiben und erstmals ihren Titel verteidigen. Die Erinnerungen an das knappe 1:0 vor zwei Jahren sind noch frisch. „Ich will“, sagte Amiri, „diesen Moment noch einmal genießen, wenn der Abpfiff ertönt und du weißt, du bist Europameister. Den Pokal in der Hand halten und feiern.“
Vor zwei Jahren wurde Amiri, 22, erst kurz vor Spielende eingewechselt, diesmal könnte er von Beginn an spielen. Im Halbfinale gegen Rumänien (4:2) nutzte der Mittelfeldspieler der TSG Hoffenheim, der angeschlagen zur EM gereist war, seinen ersten Startelf-Einsatz und erzielte zwei Tore, das letzte in der Nachspielzeit. „Ich war echt tot, aber dann hatte ich so viel Kraft in mir“, sagte er. „Für solche Spiele, für solche Momente leben wir.“
Dabei hatte noch zur Pause nichts auf ein denkwürdiges Spiel hingedeutet. Mit 1:2 lag das DFB-Team zurück, das Finale war in weite Ferne gerückt. „Wir haben uns angeguckt und gesagt: Wir kommen aus dieser Scheiße nur als Team raus“, sagte Kapitän Jonathan Tah. Maximilian Eggestein verriet: „Der Trainer ist sehr laut geworden.“
Details seiner Ansprache wollte Kuntz nicht verraten. Nur so viel: „Ich bin sehr stolz, dass die Mannschaft das so gemacht hat. Das war überragend und eine klasse Leistung.“
Stolz war auch Tah, der nach der Partie innehielt und dann versuchte, die Tragweite der Geschehnisse zu begreifen. „Krass, wir stehen im Finale. Wir haben so lange darauf hingearbeitet, so viel dafür getan. Wir haben immer Auf und Abs gehabt. Wenn man daran dann denkt – geiler geht’s nicht“, sagte der Abwehrchef. Für Tah endet wie für die meisten am Sonntag die Karriere im U-Bereich, fast alle hoffen auf weitere Einsätze in der A-Nationalmannschaft.
DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball, 72, der nach dem Spiel in der Kabine gratulierte, glaubt genau daran. „Den ein oder anderen Spieler werden wir sicher in der A-Nationalmannschaft wiedersehen“, sagte er. Das Krisengerede im deutschen Fußball sei zudem überholt. „An allen Ecken und Enden hört man, dass es nicht gut bestellt sei um den deutschen Nachwuchs. Diese Mannschaft hat das heute widerlegt“, sagt er. Nun sei auch der Titel möglich.
Ein dicker Brocken wird Spanien dennoch, das 4:1 der Iberer im Halbfinale gegen den Nachwuchs von Weltmeister Frankreich war beeindruckend. Allerdings war Spaniens Auswahl auch 2017 als Favorit ins Endspiel gegangen, wo sie einen klugen Matchplan von Kuntz nicht beantworten konnte. „Ich will wieder den Titel“, sagte Amiri dann auch forsch und stieg in den Partybus Richtung Udine. Da funktionierten die Boxen immerhin noch. sid