„Die Bayern können mich nicht bezahlen“

von Redaktion

Ironie oder Arroganz? Münchner Fangemeinde entrüstet sich über einen Toni-Kroos-Satz

VON GÜNTER KLEIN

München – Kommende Woche läuft in den Kinos der Film „Kroos“ an. Eine Dokumentation über einen Fußballstar, den die Leute schätzen, aber nicht verehren. Und von dem man annimmt, er müsse als Typ eher langweilig sein mit seiner Vorliebe für die Schlagerpopgruppe „Pur“ und dem obligatorischen Unterarm-Tattoo mit der Abbildung der Kinder. Wer also wird sich „Kroos“ anschauen?

Nun, vielleicht doch einige mehr, denn Toni Kroos, der Protagonist, hat gute PR-Vorarbeit geleistet. Die Geschichte seiner jungen Jahre zu erzählen, in denen er vom Vater zum Profi getrimmt und schließlich in die Ferne (von Rostock nach München) geschickt wurde, mag ihm und dem Regisseur ein Anliegen sein – doch „Kroos“ verkauft sich natürlich nicht darüber, dass einem heute reichen und erfolgreichen Menschen vielleicht mal ein paar Grad Nestwärme fehlten. Das Bemerkenswerte am Werdegang von Toni Kroos ist das Verhältnis zum FC Bayern München, bei dem er heute noch spielen könnte, hätten der Verein und er sich nicht nach der WM 2014 in Verhandlungen über einen neuen Vertrag überworfen. Eigentlich war Kroos, den die Bayern als 16-Jährigen als größtes deutsches Talent seiner Generation ausgemacht hatten, vorgesehen, einer der Allzeit-Größten des Vereins zu werden.

Eine schöne Zeit sei es gewesen in München, aber das Kapitel nun abgeschlossen, sagt Toni Kroos in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dem öffentlich-rechtlichen Radio, das sich lange Formate wie dieses Gespräch über eine knappe halbe Stunde gönnt.

Die wenigsten Fans des FC Bayern werden es sich in Gänze angehört haben, doch schon einige Satzfetzen genügten, um die Diskussion über Kroos fünf Jahre nach seinem Weggang aus München anzuheizen. Kroos wurde von Interviewer Philipp Nagel, einem Reporter des Bayerischen Rundfunks, gefragt, ob eine Rückkehr zu den Bayern möglich wäre. Und Kroos antwortete: Nein. „Die können mich auch gar nicht bezahlen.“ Er lachte dazu, und man konnte aus dem Lachen die Ironie heraushören, mit der man über den Fußball von heute spricht: Es wird alles teurer. Kroos meinte, als dann noch der Begriff „Festgeldkonto“ fiel, dass die Bayern das diesen Sommer sicher plündern würden.

Kaum war das Unbezahlbar-Zitat über Social Media in der Welt, geriet die Bayern-Fangemeinde in Schnappatmung. Themen: Wie tief muss der Stachel sitzen, wenn man nach fünf Jahren und all den mit Real Madrid gewonnenen Titeln mit dem Thema Bayern noch nicht durch ist? Spricht nicht unsägliche Arroganz aus Kroos’ Worten? Und ist seine Bemerkung, er habe sich in München nicht genug wertgeschätzt gefühlt, nicht wehleidiges Mimimi? Für die Bayern ist er nun wieder „Querpass-Toni“ und Elfmeter-Feigling von 2012 und nicht mehr das Genie mit den Klassewerten in der Packing-Wertung.

Toni Kroos ist mit dem FC Bayern einfach nicht warm geworden – doch nicht der erste Spieler, der dieses Fazit zieht. Es war ja auch schon so bei Michael Ballack, Sebastian Deisler, Lukas Podolski, Torsten Frings, Marcell Jansen, Tim Borowski, Mario Gomez, Jerome Boateng. Die haben es nur nie offen gesagt.

„Kroos“ wird in Münchens Kinos kein Renner werden.

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