ZWISCHENTÖNE

Eine Chance für Breakdance

von Redaktion

Klar, Breakdance, warum nicht? Olympia hat schon so manches überstanden, Betrug, Korruption, Doping, hat sich geöffnet für Sportarten wie Skateboard, Drei-gegen-drei-Basketball, BMX Freestyle, für alles, was frisches Geld, neue Sponsoren und dynamische Jugendlichkeit verspricht. Warum also nicht Breakdance?

Nein, wir haben nichts gegen Breakdance. Ist eine wunderbare Art für junge Menschen, ihren vom Tweeten, Posten und Chatten erschlafften Körper in Schwung zu bringen, manche schaffen es dabei fast bis zur Perfektion. Wirklich schön anzuschauen. Breakdance ist hip, aber muss denn wirklich alles, was jung und trendig ist, auch ins olympische Programm? Fast schon ein bisschen diskriminierend für Traditionalisten wie Edmund Stoiber, der hatte sich mal in einem Fragebogen Fingerhakeln als neue olympische Disziplin gewünscht (sicher in der Hoffnung, dass der stolze Freistaat nicht nur im Winter Medaillen abräumt).

Der Schweizer wünscht sich wahrscheinlich Schwingen, der Ostfriese Boßeln oder Teebeutelweitwurf, der Japaner Sumo-Ringen, ach, es gäbe ja so viele herrliche Sportarten, die längst zu Olympia gehörten. Durchaus ein Thema sollte Treppenlaufen sein, gilt als extremste Disziplin überhaupt. Erinnert aber ein wenig an Sisyphos, den armen alten Griechen. Schließlich musste der Deutsche Johannes Schmitz, als er vor zwei Jahren Weltmeister wurde, stolze 194 Mal die Stufen eines Hochhauses rauf und wieder runter laufen, weil kein Haus dieser Welt 83 808 Stufen hat, die Schmitz für den Titel bezwingen musste.

Olympische Weihen wird das Treppenlaufen also schon deshalb kaum bekommen, weil dann die Spiele nur noch an Städte mit Wolkenkratzern vergeben werden könnten, um ein zu ausuferndes Auf und Ab zu vermeiden. Und ohnehin sind wir der Meinung, dass das Programm der Spiele schon länger ausgereizt und die Übersicht verloren gegangen ist. Man könnte aber durchaus an der Telegenität einzelner Disziplinen weiter arbeiten, Versuche gab und gibt es ja reichlich. Aktuell in der Leichtathletik. Und ist das Schwimmen von acht Schwimmern nebeneinander in Bahnen nicht ein bisschen öde? Vielleicht sollte man einen schon 25 Jahre alten Vorschlag von Nils Rudolph mal aufgreifen, der zwei Schwimmer im K.o.-System gegeneinander antreten lassen wollte, weil das Schwimmen in Bahnen doch zur Verkümmerung der Sportart führe.

Ist sicher ganz gut, wenn man mal Strukturen aufbricht und Gewohntes rigoros in Frage stellt. Im Leben wie im Sport. Allerdings sollte die Sorge ernst genommen werden, dass Olympische Spiele nicht unbedingt interessanter werden, je mehr man sie aufbläht, dem Trend hinterherhechelt und den Wert der Medaillen schmälert, indem man sogar über die Aufnahme der verrücktesten Sportarten nachdenkt (wozu wir Breakdance ausdrücklich nicht zählen). Allen Sportlern, deren Begierden und deren Sponsoren gerecht zu werden, wird sowieso nicht klappen, dann müsste nämlich auch mal über eine drastische Verlängerung der Spiele auf zwei bis drei Monate nachgedacht werden (was dann wohl auch das Fernsehen nicht mehr mitmachen würde).

Breakdance, okay. Ist ja einen Versuch wert, die fixen Jungs von Straßen und Plätzen auf die olympische Bühne zu holen. Tanzen ist ja auch Sport, sicherlich mehr als der boomende E-Sport. Da hat sich IOC-Boss Bach ja ausdrücklich dagegen verwehrt, in seiner Amtszeit Computerspieler in die olympische Familie aufzunehmen. Trotz der immensen Wirtschaftskraft, die dahintersteht. Mal ein klarer Standpunkt. Ist ja auch deutlich besser, die Kids zu akrobatischen Bewegungen beim Breakdance zu animieren als zum Daddeln auf der Konsole. Das tun die sowieso schon viel zu viel.

Von Reinhard Hübner

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