Schwerelos im Olympiapark

von Redaktion

80 000 Menschen sehen sich die sechste Ausgabe des Actionsportfestivals Mash an

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – In einem Container auf dem Coubertinplatz, mitten im Münchner Olympiapark, steht Marion Schöne und fächelt sich Luft zu mit Pappschild auf dem in großen Buchstaben zu lesen ist: „Hot“. Es war in der Tat heiß an diesem Wochenende im Park, wo von Freitag bis Sonntag die sechste Ausgabe des Actionsportfestivals Mash stattgefunden hat. „Wir hatten hitzeresistente Besucher“, sagte Schöne, die Geschäftsführerin des Parks. Insgesamt sind 80 000 Besucher gekommen – 8000 weniger als vor einem Jahr. Der eine oder andere, so Schöne, habe wohl das Freibad vorgezogen. Die Stimmung nannte sie aber „einmalig“. Drei Höhepunkte aus drei Tagen.

Showman aus Spanien

Auf der großen Rampe im Olympiasee, fünf Meter über dem Holzboden, stellt sich Jaime Mateu vorsichtig auf sein Skateboard und streckt seine Arme in die Luft. Die Zuschauer schreien. Er weiß genau, dass seine Zeit für diesen letzten Lauf schon abgelaufen ist, dass er sowieso nicht mehr gewinnen kann, aber das hält ihn nicht auf. Er wippt mit seinen Füßen auf dem Board, rudert mit den Armen, dann springt er ab. Er fällt, landet mit dem Board auf der Rampe, geht in die Knie, hält das Gleichgewicht. Die Zuschauer schreien jetzt noch lauter.

In Mateu, 23, einen Skateboarder aus Mallorca, haben sich die Fans in München sofort verguckt – und er auch ein wenig ihn sie. Auf seiner letzten Fahrt durch den Roller Coaster versucht er Tricks, die so waghalsig sind, dass er dabei gleich mehrmals hinfällt – auch auf der großen Rampe. Er steht aber immer wieder auf, versucht es noch einmal. Das reicht zwar nicht, um den US-Skater Jake Illardi zu verdrängen, der wie schon 2018 die anspruchsvollsten Tricks vorführt, aber sehr wohl für den größten Applaus der Fans. Nur einmal brüllten sie ähnlich laut: Als der Engländer Alex Hallford als einziger Skater in München kopfüber durch den Looping rast.

Königin des Wassers

An ihren Füßen hängt ihr Wakeboard, aber Julia Rick, 26, eine zierliche Frau mit kräftigen Armen, zieht sich aus dem Olympiasee und grinst in die TV-Kamera. Als sie etwa 30 Sekunden von der Seilbahn mit ihrem Brett ins Wasser gezogen wurde, war sie noch Zweite, jetzt hat sie gewonnen. Die Juroren konnten ihr gar nicht anders, als ihr die Bestnoten zu geben, weil Rick, die neunfache Weltmeisterin, jenen Sprung mit dreifacher Drehung gezeigt hat, den sie besser und häufiger steht als jede andere Frau in der Szene. Ein paar Minuten steht sie champagnerbegossen in der Mixed Zone. Sie freut sich über den Sieg, vor allem aber über „die Plattform, die den Frauen vor mehreren Tausend Leuten gegeben wurde“. Das kommt in der Wakeboardwelt nicht so oft vor. Auch Mash hat in diesem Jahr erstmals eigene Frauenwettkämpfe abgehalten – beim Wake- und beim Skateboarden. Ein guter Anfang, findet Rick, sagt mit Blick auf den Teamwettbewerb (vier männliche Kapitäne durften die Mannschaften zusammenstellen) aber: „Vielleicht gibt’s in Zukunft ja mal eine Teamkapitänin.“

Salto in 7 Metern Höhe

Als Andy Buckworth mit seinem BMX-Fahrrad auf den Rand der Rampe zurollt, zurrt er seinen Helm noch einmal fest. Etwa 15 Sekunden und vier große Hindernisse später später wirft er sein BMX weg und seine Fäuste in die Luft. In seinem letzten Versuch hat er den Trick gestanden, an dem er im Finale zuvor zweimal gescheitert war: einen doppelten Rückwärtssalto, in sieben Metern Höhe. So hoch wie der Australier ist keiner gesprungen – doch es sagt viel über das Niveau bei Mash aus, dass er nach jenem irren Lauf auf die Videowand blickt und sieht: Platz zwei. Und es sagt noch mehr aus, dass Buckworth danach so jubelt, als habe er gewonnen.

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