Paris/Köln – Während ihr Torjubel einen Social-Media-Hype auslöste, setzte Megan Rapinoe bereits das nächste Ausrufezeichen bei ihrem Kampf abseits des Platzes. „Du kannst kein Turnier ohne Homosexuelle gewinnen“, sagte Rapinoe, nachdem sie die WM-Party der Französinnen mit ihrer Gala am Freitag im Viertelfinale jäh beendet hatte: „Es wird nicht passieren und ist noch niemals zuvor passiert.“ Mit ihrem Statement für mehr Toleranz für Homosexuelle legte sie in der öffentlichen Schlammschlacht mit US-Präsident Donald Trump nochmals nach – zuvor hatte sie auf dem Platz Taten sprechen lassen.
Und wie! Mit einem Doppelpack beim 2:1 gegen die Gastgeber führte sie Titelverteidiger USA beinahe im Alleingang ins Halbfinale gegen England. Ihre Tore feierte sie ganz stoisch und erhaben mit ausgebreiteten Armen. Schon im Achtelfinale hatte sie die beiden amerikanischen Treffer gegen Spanien (2:1) erzielt. Vier Tore in Folge waren noch keiner US-Fußballerin bei einer WM gelungen. Rapinoe ist auf dem besten Weg zur Spielerin des Turniers.
Donald Trump jedenfalls kümmerte Rapinoes neuerliche Glanzleistung offenbar herzlich wenig. Er schenkte ihr trotz neuerlicher Stichelei keine Beachtung – das hatte er ja schon zur Genüge getan.
Rapinoe hatte erklärt, im Falle des WM-Triumphs „garantiert nicht in das f***ing Weiße Haus zu kommen“. Der Präsident reagierte gewohnt dünnhäutig. „Sie sollte nicht respektlos gegenüber unserem Land, dem Weißen Haus oder unserer Flagge sein, zumal so viel für sie und ihre Mannschaft getan worden ist“, twitterte er. Sie solle „erst mal GEWINNEN, dann REDEN“.
Zwei Siegen fehlen ihr jetzt noch. Der Trubel der letzten Tage störte Rapinoe in ihrem Tatendrang jedenfalls nicht. „Ich werde nicht wirklich durch Hater oder all das angetrieben“, sagte sie nach dem Viertelfinale. Vielmehr motivieren sie „Menschen wie ich, die für die gleiche Sache kämpfen“. Und dieser Kampf ist lange nicht vorbei. sid