Spielberg – Mercedes erstmals gestürzt, doch Sebastian Vettel und Ferrari erleben das nächste Drama: Red-Bull-Star Max Verstappen hat die monatelange Dominanz der Silberpfeile in der Formel 1 gebrochen – den Ferrari-Piloten Charles Leclerc/Vettel blieben beim Großen Preis von Österreich nur die Rollen als tragische Figuren. Verstappen raste am Sonntag nach einem Herzschlagfinale in Spielberg zum Sieg vor Leclerc und Valtteri Bottas im Mercedes.
Allerdings musste der 21-Jährige um seinen Sieg bangen. Nach seinem rüden Überholmanöver gegen den bis dahin führenden Leclerc kurz vor dem Ende des Rennens leiteten die Stewards eine Untersuchung des Vorfalls ein. „Ich lasse jetzt die Rennkommissare entscheiden“, sagte Leclerc: „Er hat mich ein wenig rausgepusht.“ Verstappens Antwort war ebenso kurz wie lapidar: „That’s racing.“ Und so sahen es die Rennkommissare dann auch, die die Entscheidung fällten als die Fans schon lange auf dem Heimweg waren: Keine Strafe, es war ein normaler Rennzwischenfall.
Vettel dagegen haderte mit Technik-Problemen, einem Startplatz im Mittelfeld und einer schläfrigen Boxencrew – er fuhr mit einer starken Aufholjagd aber immerhin auf Platz vier. Mann des Tages war jedoch Verstappen. Der Niederländer fuhr nach einem schwachen Start wie entfesselt, Zehntausende Fans in Oranje sahen eine dramatische Schlussphase, als er Leclerc niederrang und wie im Vorjahr in Spielberg triumphierte.
Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes, der sich zuvor alle Siege dieser Saison mit Bottas aufgeteilt hatte, wurde Fünfter. Nico Hülkenberg landete im Renault auf dem 13. Platz. Im WM-Klassement führt Hamilton (197 Punkte) weiter souverän vor Bottas (166) und Verstappen (126). Vettel (123) fiel auf den vierten Gesamtrang zurück.
Das Rennen war Abschluss eines aufreibenden Wochenendes, das die Formel 1 nach dem Langeweiler in Frankreich dringend benötigte. Das Qualifying am Samstag hatte für einen ungewohnten Mix in der Startaufstellung gesorgt. Der Ferrari konnte auf den langen Geraden des Red-Bull-Rings seine Stärken wie erwartet ausspielen, und Leclerc fuhr souverän zur Pole. Eine defekte Druckluftleitung zum Motor hatte Vettels Qualifying vorzeitig beendet, und vielleicht war der Hesse daran nicht ganz unschuldig. Wie Teamchef Mattia Binotto mitteilte, endstand der Schaden vielleicht durch einen zu harten Ritt über die Kerbs.
An der Spitze des Feldes war Leclerc der erste Ferrari-Pilot seit Michael Schumacher im Jahr 2003, der von der Pole Position in einen Großen Preis von Österreich startete. Und der Monegasse machte sich gut in dieser Rolle, kam fehlerfrei weg und behauptete die Führung. Dahinter ging es ähnlich turbulent zu wie im Qualifying.
Verstappen hatte große Probleme und fiel gleich weit zurück – er fand sich nach der ersten Kurve sogar hinter Vettel wieder. Der Ferrari-Pilot kam sehr gut weg, machte gleich drei Plätze gut und reihte sich als Sechster ein. „Wir haben eine großartige Geschwindigkeit auf den Geraden, in 71 Runden kann Sebastian einiges bewegen“, hatte Binotto gesagt.
Und in der Tat hatte Vettel zunächst kaum Probleme, sich vorzuarbeiten. Nach sieben Runden lag er auf Rang vier, fünf Sekunden fehlten ihm auf den drittplatzierten Hamilton. Vettel war nun schneller und verkürzte den Rückstand Stück für Stück – dann folgte der nächste Rückschlag: Als Vettel an die Box kam, lagen seine Reifen noch nicht bereit, gut drei Sekunden verlor er damit beim Wechsel, mal wieder schien sein Rennen ruiniert.
Doch wenig später meldete Hamilton Probleme: Sein Frontflügel war beschädigt, der Engländer verlor Abtrieb und musste sich bei seinem Reifenwechsel eine neue Nase holen. Etwa acht Sekunden kostete ihn das, Hamilton kam auf Rang fünf wieder raus. Leclerc, Bottas, Vettel und Verstappen hießen nun die ersten Vier.
Und der schnellste Mann war eindeutig Verstappen. Der Niederländer ging recht locker an Vettel und Bottas vorbei und kam Leclerc immer näher. Der Showdown folgte in den letzten Runden. Zweimal konnte der Ferrari-Youngster die Angriffe abwehren, dann ging Verstappen mit einem aggressiven Manöver vorbei. „Was zur Hölle war das!“, fluchte Leclerc im Boxenfunk, wenig später fuhr Verstappen unter dem Jubel der Oranje-Fans als erster über die Linie.