Zurück im grünen Paradies

von Redaktion

VON DORIS HENKEL

London – Hinter der Glastür am Eingang des „All England Lawn Tennis Club“ sah Angelique Kerber ihr Konterfei an einer der beiden Säulen im Eingangsbereich – eine lebensgroße Fotografie aus dem vergangenen Jahr, auf der sie die Siegerschale nach ihrem Triumph in die Luft reckt. Allzu lange auskosten konnte sie den Anblick noch nicht. Samstagnachmittag spielte Angelique Kerber noch im Seebad Eastbourne im Finale, Sonntag kehrte sie in den All England Club zurück, begleitet von schönsten Erinnerungen, aber auch von Vorfreude auf alles, was in den beiden kommenden Wochen passieren könnte.

Sie sagt, die Sorgen der Sandplatz-Saison habe sie hinter sich gelassen. Die Niederlage in der ersten Runde der French Open in Paris hatte auch mit dem doppelten Bänderriss zu tun, den sie sich Anfang Mai beim Turnier in Madrid zugezogen hatte. Dem Fuß geht es gut, wie man zuletzt bei den Turnieren auf Mallorca und in Eastbourne sehen konnte, wo sie bei beiden Gelegenheiten das Finale erreichte.

Natürlich ist das auch eine mentale Geschichte; auf Rasen fühlt sie sich wohl, obwohl es im Laufe der Jahre auch in Wimbledon schmerzhafte Niederlagen gab. Die Kunst des positiven Denkens klappt auf grünem Untergrund deutlich besser als auf rotem, und daran wird sich wohl nicht mehr viel ändern. Im vergangenen Jahr nach ihren Sieg im Finale gegen Serena Williams hatte Kerber gesagt, es sei nun ihr großes Ziel, in Paris den letzten der vier Grand-Slams zu gewinnen. Doch nun wurde sie dem den zweiten Schlag in Wimbledon vorziehen.

Morgen wird Angelique Kerber in der deutschen Partie gegen Tatjana Maria erleben, wie sich der Ort ihres größten Triumphes präsentiert. Sie weiß, dass es ein kniffliges Spiel werden könnte und dass ihr die Erinnerungen nicht helfen werden.

Das größte Privileg der Wimbledonsieger ist allerdings die lebenslange Mitgliedschaft im höchst exklusiven All England Club. Mit Freude nahm sie die neueste Ausgabe jener knapp zehn Zentimeter großen Anstecknadel entgegen, die ihr in diesem Jahr vom Club mit der Post zugestellt wurde; diese Nadel öffnet ihr als Mitglied alle Türen. Am Sonntag trug sie die das wertvolle Ding unter ihrer Trainingsjacke. Als es nach der ersten Presserunde um die Frage ging, ob das vom Club so gewünscht sei, da teilte Angelique Kerber lächelnd mit: „Das weiß ich nicht. Aber ich will es tragen.“

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