Hamburg – Der kleine männliche Fanclub hat sich dieses Mal nicht blicken lassen. Vielleicht war es am Sonntagabend einfach zu spät für die Gruppe, die beim ersten Spiel von Laura Ludwig und Margareta Kozuch bei der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Hamburg, ihre Vorliebe für beiden Frauen lautstark in etwas derben Sprüchen – und vor allem nicht mehr ganz nüchtern – kundgetan hatte. Vielleicht aber lag es daran, dass die Partie gegen die Brasilianerinnen Maria Antonelli und Carol nicht so endete, wie es sich Fans eben vorstellen. Das deutsche Duo bekam nach dem erfolgreichen Auftaktmatch zwei Tage zuvor einen Dämpfer, musste sich in 1:2-Sätzen geschlagen geben, aber es kann sich mit einem Sieg heute zum Abschluss der Gruppenphase im Duell mit den unbekannten Nigerianerinnen Tochukwu Nnoruga und Francisca Ikhiede, in der Weltrangliste jenseits der 400 gelistet, dennoch für die K.o.-Phase qualifizieren. Eine Niederlage, ein Spielverlauf, der nicht überraschte. Das Hamburger Duo trainiert erst seit Anfang des Jahres zusammen. Nach der Babypause musste sich Ludwig eine neue Partnerin suchen, weil Kira Walkenhorst, an deren Seite sie Weltmeisterin und Olympiasiegerin wurde, aus gesundheitlichen Gründen im Januar ihre Karriere beendet hatte. Die Wahl fiel auf die fast gleichaltrige Kozuch. Die 32-Jährige war eine sehr gute Hallenvolleyball-Spielerin, bestritt 336 Länderspiele, gewann zwei EM-Silbermedaillen und mit dem italienischen Club Casalmaggiore die Champions League. Vor zwei Jahren suchte sie Abwechslung und wechselte in den Sand, zunächst an der Seite von Karla Borger. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt sie, „und da bin ich immer noch ein bisschen drin.“ Jetzt erst recht, da sie in Laura Ludwig eine Partnerin hat, die auf allerhöchstem Niveau gespielt hat – und, das hat die Partie am Sonntag gezeigt, phasenweise dort schon wieder ist. Trainer Jürgen Wagner arbeitete in den ersten Monaten daran, Kozuchs Volleyball-Potential für die Strandvariante noch weiter auszuschöpfen und feilte gleichzeitig an der Abstimmung zwischen den beiden. Nicht leicht, wie er findet, weil sich zudem Ludwig auch erst an ihre neuen Lebensumstände mit Kind (Söhnchen Teo wurde am vergangenen Freitag ein Jahr) gewöhnen muss. Er spricht von „zwei Extremsituationen“ und einem „Zeitproblem“. Erst langsam haben die beiden herausgefunden, „wie wir uns auf dem Feld gegenseitig unterstützen können“, gab Ludwig vor WM-Start zu.
Es klappt nun besser. Manchmal schon sehr gut, wie im ersten Satz gegen die Brasilianerinnen. Eine beinahe makellos spielende Ludwig, die an ihre Glanzzeit vor der Babypause erinnerte, riss Kozuch mit. Im zweiten Durchgang „konnten wir sie nicht mehr so unter Druck setzen“, sagte Ludwig. Es ist aber nicht nur eine spielerische Anpassungsphase, die die beiden durchleben. Statt der eher ruhigen Walkenhorst hat Ludwig nun eine Partnerin an ihrer Seite, die fast genauso extrovertiert ist wie sie selbst. Abseits des Platzes macht sich dies am nun etwas reduzierten Redeanteil für die 33-Jährige bei PR-Terminen bemerkbar.
Im Sand gelang es Ludwig schon immer, Energie und Emotionen als Antrieb zu nutzen. Kozuch scheint noch Probleme zu haben, Temperament und Gefühle richtig zu kanalisieren. Sie will sich behaupten neben der erfolgreichsten deutschen Beach-Volleyballspielerin und wirkt manchmal hektisch. Als die Brasilianerinnen nach dem aus ihrer Sicht verpatzten ersten Satz die Taktik veränderten, war Kozuch schnell davon beeindruckt und machte Fehler. Für die beiden ist die WM in Hamburg ein weiteres Lernmodul – und vor allem eine Etappe auf dem Weg zum großen Ziel. Das sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Bis dahin soll zwei Sätze lang klappen, was jetzt oft höchstens in einem gelingt: Auf Augenhöhe zu sein mit den Besten.