Gestörte Kommunikation im Trainerteam?

von Redaktion

Nationalmannschafts-Chef Joti Chatzialexiou widerspricht Gerüchten rund um DFB-Frauen

VON FRANK HELLMANN

Frankfurt/Lyon – Zwei völlig unterschiedliche Niederlagen hat Joti Chatzialexiou am Wochenende als Sportlicher Leiter Nationalmannschaften im Deutschen Fußball-Bund (DFB) erlebt. Während in Udine der zweite Platz der U 21-Nationalmannschaft bei der EM als Erfolg gilt, schmerzt das Aus der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der WM. Insgesamt hat der 43-Jährige vier der fünf Partien der DFB-Frauen in französischen Stadien gesehen. Sein genereller Eindruck: „Das Niveau hat sich extrem gut entwickelt. Die Teams sind enger zusammengerückt, es entscheiden auf dem Niveau oft einzelne Momente.“

Das deutsche Team hätte in den ersten vier Partien „großen Willen und eine gute Mentalität gezeigt, aber wir haben spieltechnisch nicht alles abgerufen“. Bei der Förderung von Spielwitz und Kreativität müsse noch mehr getan werden, „wir brauchen noch mehr offensive Lösungen – das wird in Zukunft den Unterschied machen“, sagt der ranghöchste Mitarbeiter in der Direktion von Oliver Bierhoff.

Unter dem Strich ist das Ziel bei den Frauen verfehlt worden. Wie schon bei der EM 2017 war auch bei der WM 2019 im Viertelfinale Endstation, so dass Chatzialexiou eben auch eingesteht: „Wir gehören nicht mehr zu den Allerbesten, das müssen wir uns so eingestehen – unser Vorsprung aus der Vergangenheit hat sich in einen Rückstand gewandelt. Wir wollen mit den Frauen zurück zur Weltspitze, das ist unser Anspruch und sind wir auch dem deutschen Fußball aufgrund seiner Kultur und Vergangenheit schuldig.“

Dass das deutsche Team jetzt, wo die Finalwoche in Lyon noch einmal eine besondere Strahlkraft entwickelt, fehle, sei bitter, sagt Chatzialexiou: „Ich habe hinterher in die Augen der enttäuschten Spielerinnen geblickt, die genau wussten, was damit verbunden ist: Nicht bei Olympischen Spielen dabei zu sein, tut einem im Herzen weh. Unsere Nationalmannschaft ist das Aushängeschild für den deutschen Frauenfußball.“

Positiv sind ihm junge Spielerinnen wie Giulia Gwinn, Lena Oberdorf oder Klara Bühl aufgefallen, „dazu habe ich eine unglaublich gute Ausstrahlung bei Almuth Schult gesehen, eine Alexandra Popp, die viel Verantwortung trägt, oder eine Lina Magull oder Sara Däbritz, die mit ihrem Spielwitz begeistern.“

Doch viele haben auch nicht glänzen können. Wie Melanie Leupolz. Die Mittelfeldspielerin spielte letztlich nur in dem Werbespot als die Frau mit den acht Fingern eine Hauptrolle. Im Viertelfinale spielte die 25-Jährige gar nicht mehr. Angesäuert sagte sie: „Am Ende entscheidet die Trainerin, wer spielt. Das ist ja ihr Job. Ich will auch nicht alles hinterfragen.“

Unzufriedenheit von Ersatzkräften sieht Chatzialexiou als normal an, „das erlebe ich bei jedem Turnier in unterschiedlicher Form.“ Der Sportwissenschaftler holte Martina Voss-Tecklenburg aus der Schweiz – und steht zu ihr mit „vollster Überzeugung, denn neben ihren fachlichen Qualitäten ist sie ein kommunikativer Mensch, der offen mit den Spielerinnen umgeht.“

Er stellt sich gegen die Vermutung, bei der fast einwöchigen Vorbereitung auf das Schweden-Spiel könnte es im Trainerstab zu Kommunikationsstörungen gekommen sein. „Das kann ich klar verneinen. Der Fußball ist auf der Trainerbank keine One-Man-Show mehr.“ Die Bundestrainerin arbeitet mit Patrik Grolimund, dem Vertrauten aus Schweizer Zeiten, Thomas Nörenberg, der rechten Hand von Horst Hrubesch, Britta Carlson, der früheren Co-Trainerin des VfL Wolfsburg sowie Torwarttrainer Michael Fuchs. Chatzialexiou: „Wir haben da ein Team zusammengestellt, das nicht nur aus Ja-Sagern besteht, daher auch mal kontrovers diskutiert, um dann einen Konsens zu finden.“

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