München – Im Überschwang nach seiner Wiederwahl war Robert Reisinger sogar bereit, eine Trendwende im schwer belasteten Verhältnis zu Hasan Ismaik einzuleiten. „Ich reiche ihm die Hand und hoffe, dass er sie annimmt“, sagte der alte und neue Löwen-Präsident, der mit dem Mehrheitsgesellschafter zugleich über die vom e.V. geplante Kapitalerhöhung sprechen wollte. „Er hat sich bisher immer bei mir gemeldet und zur Wahl gratuliert“, so das Vereinsoberhaupt: „Bei dieser Gelegenheit werde ich ihn darauf ansprechen.“
Nun, da war dann wohl ein bisschen zu viel Optimismus im Spiel. Spätabends, sechs Stunden nach Ende der Veranstaltung im Zenith, meldete sich Ismaik tatsächlich zu Wort. Allerdings nicht bei Reisinger persönlich, sondern wie üblich bei Facebook. Und es war auch keine Gratulation, die der Jordanier formulierte, sondern eine Beileidsbekundung in Richtung der Fans. „Der Profifußball beim TSV 1860 hat mit der Wiederwahl von Präsident Robert Reisinger einen weiteren Dämpfer abbekommen“, ließ Ismaik wissen: „In dieser Konstellation wird 1860 nicht mehr höher als 3. Liga spielen. Das ist eine Tragödie.“
Mit Ismaik als tragischem Helden? Zumindest scheint er sich selbst als solcher zu sehen, während er dem mit Zweidrittel-Mehrheit im Amt bestätigten Reisinger Verdrehung von Tatsachen und Wählertäuschung vorwirft. Außerdem stelle Reisinger „die sportliche Situation völlig falsch dar. Er riskiert mit seiner Haltung bewusst den Abstieg aus der Dritten Liga.“
Was Ismaik meint: Nur mit frischen Darlehen lasse sich die sportliche Perspektive der Löwen entscheidend verändern. Was er ignoriert: Bei einem negativen Eigenkapital von 22,2 Millionen verbietet sich eine weitere Verschuldung eigentlich von allein. Selbst der von ihm so geschätzte e.V.-Finanzfachmann Karl-Christian Bay gab auf dem Podium des Zenith Reisinger recht, indem er dessen Konsolidierungskurs als „alternativlos“ bezeichnete. Nachhaltig und seriös lasse sich das löchrige Fundament der blauen Fußballfirma am besten mit einer Kapitalerhöhung samt Einstieg eines dritten Gesellschafters stabilisieren. Bays Appell: „Nur mit gegenseitiger Unterstützung haben wir eine Chance.“
Pläne, an denen Ismaik nicht interessiert ist. „Wir sehen unter diesen Voraussetzungen keine weitere Gesprächsbasis“, stellte er via Facebook fest. „Eine vom Verein anvisierte Kapitalerhöhung ist für uns somit endgültig vom Tisch.“
Das letzte Wort aus Nahost? Im e.V. setzen die Verantwortlichen weiter auf Bewegungspotenzial in der Sache. Der interne Mailverkehr zwischen Giesing und Abu Dhabi spreche „eine andere Sprache“ als die der sozialen Netzwerke, meinte Reisinger mit der Gelassenheit des Wahlsiegers. Bei der für morgen angesetzten Gesellschafterversammlung soll Ismaik von Fanartikel-Chef Anthony Power vertreten werden. Der Mann hat einen unvergesslichen Händedruck.