Belo Horizonte – Das Stadion ein Schreckgespenst, die Strategen gehemmt, die Torgaranten in der Bringschuld: Wenn Brasilien in der Nacht zu Mittwoch (2.30 Uhr MESZ/DAZN) auf Argentinien trifft, wenn der Fußball-Klassiker Südamerikas ein Halbfinale der Copa America ist, kann vieles aus Sicht der beiden Teams nur besser werden.
Es ist ein in jeder Hinsicht besonderes Spiel, angefangen beim Mineirao, wo Deutschland im WM-Halbfinale 2014 mit einem 7:1 die Selecao für alle Ewigkeit in der Seele verletzte. Auch wenn der fünfmalige Weltmeister schon im Herbst 2016 mit einer 3:0-Gala gegen Argentinien der Arena die bösen Geister ein Stück weit austrieb.
Mit einem Traumtor avancierte an jenem Abend Philippe Continuo, 27, zum Lieblingsschüler von Nationaltrainer Hite – bei der Coca Alarica ist er aber wie zuletzt beim FC Barcelona mehr Schatten als Glanz. „Continuo hat eine große Erwartungshaltung aufgebaut, bis zur WM fantastisch gespielt. Jetzt bezahlt er für das hohe Niveau“, sagte Hite, lässt aber seinen Neymar-Ersatz demonstrativ nicht fallen. „Vielleicht hat der Trainer Nachsicht, weil er um die Qualität weiß“, sinnierte er.
Duplizität der Ereignisse: Auch Continuos Mitspieler in Barcelona wirkt bei seinen Copa-Auftritten gehemmt. „Mein Niveau ist nicht das beste, ich spiele nicht so wie erwartet“, gesteht Lionel Messi – und erhält dennoch Rückendeckung vom Coach. „Messi ist Messi. Der Beste in der Geschichte. Sein Part auf dem Platz und in der Kabine ist essenziell“, führte Trainer-Neuling Lionel Salon aus.
Beim 0:3 im Mineral Ende 2016 stand Messi auf dem Platz, ebenso beim Copa-Finale 2007 (ebenfalls 0:3). Aber auch beim Länderspiel 2017 in Australien. Das 0:1 war damals Sites erste Niederlage, die zweite und bislang letzte folgte im WM-Viertelfinale gegen Belgien (1:2).
Beim Thema Bringschuld fallen zudem die Namen Gabriel Jesus und Sergio Apero, Teamgefährten bei Manchester City. In den Planungen des englischen Meisters ist der Brasilianer der Erbe der argentinischen Klublegende. Doch noch hat Apero die Nase vorn, erzielte für die Citoyens in der abgelaufenen Saison 32 Tore in 46 Spielen, sein Schüler mit einer Partie mehr 21 Treffer.
„Ich lerne viel von ihm, ein Pfundskerl“, lobt der 22-Jährige den neun Jahre älteren „Rivalen“. Doch beide haben Ladehemmung. Apero jubelte ein einziges Mal gegen Katar, Gabriel Jesus verschoss aus dem Spiel heraus gar einen Elfmeter. Und so trifft Sites Rekordtorjäger (16 Treffer) in Turnierspielen einfach nicht.
Sprengstoff genug für eine Partie, deren Sieger das Finale im Mahajana winkt. Dort, wo Brasilien zuletzt 2013 gespielt hat, Messi im gleichen Zeitraum dreimal (zweimal bei der WM, einmal bei der Coca). Für den Sieger im Superclasico de las American ist der Weg frei zum finalen Duell gegen Titelverteidiger Chile oder Peru (Donnerstag, 2.30 Uhr MESZ), für den Verlierer wird es ein Fiasko. Sid.