Sieben auf einen Streich

von Redaktion

Schwarzer Tag für das deutsche Tennis: Nicht mal Zverev übersteht die erste Runde

VON DORIS HENKEL

London – Am Ende ging es weniger um die Niederlage an diesem Tag, sondern viel mehr darum, wann und wie er die Dinge lösen kann, die sein Leben gerade durcheinanderbringen. Keine halbe Stunde nach dem Spiel der ersten Runde, das er in vier Sätzen gegen einen Gegner vom Weltranglistenplatz 108 verlor, machte Alexander Zverev, 22, in der Pressekonferenz den Eindruck, als wisse er weder ein noch aus. „Die letzten beiden Tage waren extrem hart“, sagte er: „Ich darf nichts Offizielles sagen, aber das ist einfach abartig. Und es tut mir weh.“

Einen Satz lang hatte er gut gespielt gegen den tschechischen Qualifikanten Jiri Vesely, doch dann entwickelte sich die Sache wie häufig in diesem Jahr. Der Gegner wurde stärker, bei ihm selbst führte dagegen ein Fehler zum nächsten. Irgendwann sei alles eingestürzt, gab er zu, so was passiere eben, wenn die Zuversicht gerade unter dem Nullpunkt liege. Doch das liegt offenbar nicht nur an fehlenden Erfolgserlebnissen, sondern vor allem an den Turbulenzen in seinem Leben.

Das Hauptproblem in einer Kette von Schwierigkeiten ist die juristische Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Manager Patricio Apey, von dem er sich trennen möchte, was er aber wegen eines Vertrages, der noch mehr als drei Jahre Laufzeit hat, nicht kann. Was die Sache schwierig macht, weil dieser Streit Aufmerksamkeit verschlingt. Und weil er sich um viele Dinge kümmern muss, die in den Aufgabenbereich eines Managers fallen.

In Anbetracht des verwirrenden Durcheinanders erübrigt sich die Erörterung, wie eine Niederlage der Nummer fünf der Welt gegen einen – wenn auch recht erfolgreichen Rasenspieler – von Platz 108 in der ersten Runde eines Grand-Slam-Turniers einzuordnen ist. Schon vor ein paar Wochen hatte Zverev gesagt, die besten Chancen auf einen überzeugenden Auftritt sehe er bei den US Open, jetzt will er sich erst mal verkriechen. „Ich werde ein paar Tage freinehmen. Irgendwo, wo mich keiner findet.“

Das passte zur eher finsteren Bilanz für das deutsche Tennis am ersten Tag der Championships. Sieben Spiele – sieben Niederlagen, darunter auch jene von Philipp Kohlschreiber, der als Gegner des Titelverteidigers die Ehre des Auftritts im Eröffnungsspiel auf dem Centre Court hatte. Novak Djokovic, der im vergangenen Jahr an diesem Ort seinen vierten Titel in Wimbledon gewonnen hatte, betrat den perfekt präparierten Rasen lächelnd, und so verließ er ihn auch nach etwas mehr als zwei Stunden. Zwischen Auftritt und Abgang lag ein Sieg in drei Sätzen, und hinterher meinte er, das sei das ideale Eröffnungsspiel für ihn gewesen, ein großartiger Test.

Mitte März hatte Djokovic beim Turnier in Indian Wells gegen den damals außergewöhnlich gut spielenden Kohlschreiber verloren; er war gewarnt, und das war vermutlich genau jene Form von Vorspannung, die er vor der Rückkehr auf den Centre Court brauchte. Diese Spannung war spürbar, als er das Spiel mit einem Doppelfehler begann, vom Publikum mit Unruhe bedacht. Doch danach hatte er sich schnell wieder im Griff, und daran änderte sich bis zum Ende der Partie nicht allzu viel.

Kohlschreiber sagte hinterher, er selbst habe alles gegeben und auf einem guten Niveau gespielt, aber Djokovic sei einfach zu solide gewesen.

Zum Team des Titelverteidigers gehört dieser Tage der umjubelte Sieger des Jahres 2001, Goran Ivanisevic. Die Verbindung des Kroaten und des Serben war erst vor wenigen Tagen bekannt geworden, und das könnte eine ziemlich spannende Geschichte werden. Ivanisevic war übrigens der vorletzte Sieger in Wimbledon vor Beginn der Ära Federer & Co. Es folgte noch der Australier Lleyton Hewitt, danach siegten nur noch die Mitglieder des goldenen Quartetts.

Zwei der potenziellen Herausforderer sind nach dem ersten Tag nicht mehr dabei, denn nahezu gleichzeitig mit Alexander Zverev verabschiedete sich der Grieche Stefanos Tsitsipas.

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