Transfersommer der Bayern

Willkommen in der zweiten Liga

von Redaktion

Daniel Müksch

Die Lage ist eigentlich grotesk. Fast täglich rechtfertigt sich der FC Bayern für 118 Millionen Euro. So viel kosten die bisherigen Transfers von Lucas Hernandez, Benjamin Pavard und Jann-Fiete Arp den deutschen Rekordmeister. Zwei französische Weltmeister und ein deutsches Talent. Kein Grund zum Schämen. Eigentlich. Und doch kehrt beim deutschen Meister keine Ruhe ein.

Der Grund hierfür liegt im Februar. Präsident Uli Hoeneß polterte im TV: „Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison!“ Mit so einer Aussage verbindet Fußball-Deutschland und der Bayern-Fan eher Antoine Griezmann, Leroy Sane oder zumindest Ousmane Dembele, anstatt des bisher verpflichteten Trios. Doch Spieler aus der ersten Riege Europas springen nicht mehr sofort in den Flieger, sobald sie ein Anruf von der Säbener Straße ereilt. Das war vor einigen Jahren noch anders. Da konnten die Bayern-Bosse sich früh bei Transfers aus dem Fenster lehnen und die Konkurrenz mit gezielten Spitzen provozieren. Wenn es ernst wurde, zündete der Mia-san-mia-Mythos. Erst recht bei deutschen Spielern. Es galt das Gesetz: Posaunt ein Bayern-Boss solche Aussagen in die Welt, liefert der Verein auch. Im Sommer 2019 (noch) nicht.

Auch finanziell bewegte man sich mit den europäischenTop-Clubs zumindest auf Augenhöhe. Ebenfalls Vergangenheit. Für die finanziell völlig enteilte Premier League kann der Verein nichts, die Summe der Fakten schafft für den erfolgsverwöhnten Verein allerdings eine neue, ungewohnte Situation: Der FC Bayern ist in den letzen Jahren in die zweite Liga der europäischen Transfers durchgereicht worden. Doch das scheint schwer zu akzeptieren. Man müsste wohl einige Jahre der Konsolidierung öffentlich ausrufen. Von den Alpha-Tieren Hoeneß und Rummenigge kaum vorstellbar. Warfen beide doch einen vermeintlichen Strategiewechsel vor einiger Zeit gleich wieder über Bord. Bei der Eröffnung des Bayern Nachwuchs-Campus sagte Uli Hoeneß im Mai 2017: „Vielleicht ist dieser Campus auch eine Antwort auf den Transferwahnsinn und die Gehälterexplosion. Die Ausbildung soll zum Markenzeichen unseres Clubs werden.“ Ein hoffnungsvolles Talent, das in die Fußstapfen eines David Alaba oder Thomas Müller aus dem aktuellen Bayern-Kader treten kann? Nicht in Sicht.

daniel.mueksch@ovb.net

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