Windischgarsten – Wildwasserpaddeln ist eine der beliebtesten Teambuilding-Maßnahmen im Fußball-Geschäft. Sommer für Sommer wagen sich Profikicker und -trainer auf alpine Gebirgsflüsse – und das nicht nur der coolen Fotos wegen. Es geht um das Gefühl des Aufeinander-angewiesen-Seins, das verbinden und Vertrauen schaffen soll, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam meistern zu können.
So weit die Theorie.
Bei den Löwen, die am Freitag zum Bootsausflug in die Steiermark fuhren, ist die Mannschaft bei aktuell nur einem Zugang eigentlich das Letzte, das zusammengeschweißt werden müsste. Gesellschafter, Fans, Aufsichtsräte – sie alle könnten ein Teambuilding vertragen. Und zu allem Überfluss jetzt auch noch die Sportliche Leitung.
Das angespannte Verhältnis zwischen Trainer Daniel Bierofka und Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel ist nicht zu übersehen in diesen Tagen dicht am Rande der Kalkalpen. Man geht sich aus dem Weg, redet öffentlich übereinander – hinter den Kulissen soll sich die Kommunikation auf das Allernötigste beschränken, wie interne Quellen mehr oder weniger besorgt berichten. Nach Gorenzels Tadel in Richtung Ärzte, Physiotherapeuten und Trainerteam, das Risiko beim rekonvaleszenten Nico Karger unterschätzt zu haben, Stichwort „Ungeduld“, sollen im Teamquartier deutliche Worte gefallen sein.
Mindestens genauso sehr belasten das Verhältnis die unterschiedlichen Ansichten in Sachen fremdfinanzierte Spieler. Während Bierofka die Verpflichtung von Verteidiger Aaron Berzel und Stürmer Sascha Marinkovic wiederholt als wünschenswert bezeichnete, machte Gorenzel vor der Presse keinen Hehl daraus, dass er weder den einen noch den anderen für eine Verstärkung hält („nice to have“). Priorität habe für ihn ein entwicklungsfähiger Wandstürmer vom Typ Sascha Mölders. Nach Informationen unserer Zeitung hat Gorenzel ein Auge auf Haji Wright, 21, aus der Reserve von Schalke 04 geworfen. Der 1,93 lange Amerikaner, bei LA Galaxy ausgebildet, hat bereits sieben Bundesliga-Einsätze (ein Tor) in der Vita stehen und würde perfekt in Gorenzels Profil passen.
Problem: Für ein Ausleihgeschäft fehlt das nötige Kleingeld. Solange Investor Hasan Ismaik keine Darlehen in Genussscheine wandelt, können Gorenzel und sein Kollege für die Finanzen, Michael Scharold, die Rücklagen für eventuelle Strafzahlungen nicht auflösen. Das Resultat: Stillstand. Und ein Trainer, der seinen Missmut kaum noch verbergen kann. „Fragts den Günther“, erstickte Bierofka sämtliche Nachfragen bereits im Ansatz. Anzunehmen, dass er vorab über Gorenzels Nein zu einer Marinkovic-Verpflichtung informiert worden war.
Und wenn zwei schweigen, dann spricht halt der Dritte. „Es wird Zeit für Klartext“, beantworteten Marinkovics Berater Dylan Hughes (Isarsportmanagement) und Anwalt Markus Schollmeyer schriftlich unsere Nachfrage. „Der Trainer will ihn und die Finanzierung für Sascha stand vom ersten Tag an. Sie wurde seitens 1860 namens Günther Gorenzel von Anfang an bis heute mit widersprüchlichen Begründungen zurückgewiesen. Wir bezweifeln daher den Wahrheitsgehalt seiner öffentlichen Aussagen zu dem Thema stark. Bei 1860 scheint aber momentan alles erlaubt. Hoffentlich wird nicht erneut der sportliche Niedergang riskiert.“
Auf jeden Fall der Niedergang der guten Laune. Gorenzels Reaktion: mehr als schmallippig. „Ich äußere mich prinzipiell nicht zu Spekulationen und Gerüchten, welche im komplexen Geschäft Fußball täglich existieren, sondern nur zu Fakten. Darüber hinaus werde ich zukünftig in keiner Art und Weise zulassen, dass sich externe Personen in die Planungen beim TSV 1860 einmischen und versuchen, Druck auf die Entscheidungsträger aufzubauen. Im Übrigen ist dies auch über Statuten seitens des DFB und der UEFA klar untersagt und geregelt.“