Das letzte Statement

von Redaktion

Frauen-Team der USA nach hart erkämpften 2:0-Finalerfolg über Holland erneut Weltmeister

VON FRANK HELLMANN

Lyon – Für einen Moment streckten die umjubelten Heldinnen des US-Nationalteams Arme und Beine aus – und badeten rücklings in den Konfettischnipseln, die zuvor zu Donnerschlägen und Feuerwerk auf den Rasen des Stade de Lyon geregnet waren. Die Mission war erfüllt: Mit einem 2:0 (0:0)-Erfolg in einem spannenden, aber nicht hochklassigen WM-Finale gegen die Niederlande hat die Führungsmacht im Frauenfußball den Titel nach 1991, 1999 und 2015 gewonnen.

Viele Stars gingen mit feuchten Augen auf die Ehrenrunde. Powerfrau Megan Rapinoe, die sich mit ihrem sechsten Turniertor zur Torschützenkönigin der WM 2019 aufschwang, schien fast sprachlos: „Ich glaube nicht, dass ich das in Worte fassen kann. Es ist surreal.“ Die Vorkämpferin hatte bekräftigt, dass sie einer Einladung ins Weiße Haus nicht folgen werde; und weil das Team sich sehr nahe sei, würden auch die Mitspielerinnen nicht dem US-Präsidenten Donald Trump die Hände schütteln.

Als die 34-Jährige am Podium mehrfach die Arme ausbreitete, war endgültig klar, dass dieses Turnier ganz in ihrem Sinne gelaufen war, auch wenn ihr beim ersten Spiel, dem 13:0 gegen Thailand, noch die Anspannung ins aschfahle Gesicht geschrieben schien. Nun aber leuchtete die Aktivistin vom linken Flügel in Lyon: „Unser Team ist gerade mittendrin, die Welt um sich herum zu verändern. Das ist ein großartiges Gefühl.“ Sie selbst war in der Heimat nie beliebter.

Gerade in der Soccer-Nation USA sind Alex Morgan und Co. ja auch das starke Geschlecht: Idole, die für erfolgreichen und schönen Fußball stehen, auch wenn das Endspiel – anders als vor vier Jahren beim 5:2 gegen Japan in Vancouver – nicht als fußballerisches Glanzstück in Erinnerung bleiben wird. Neben der überragenden Athletik sticht die enorme Mentalität heraus. „Sie sind eine erstaunliche Gruppe von Spielern und eine noch bessere Gruppe von Menschen“, lobte die britische Trainerin Jill Ellis. Die 52-Jährige stellte die überragende Bedeutung von Megan Rapinoe heraus: „Umso mehr Druck sie hatte, desto besser hat sie gespielt. Sie ist dafür gemacht.“

In dem zähen Abnutzungskampf gegen den körperbetont spielenden Europameister fiel die Entscheidung allerdings erst nach der Pause, als die niederländische Abwehrspielerin Anouk Dekker mit einem gestreckten Bein gegen Morgan zu Werke ging, sodass Schiedsrichterin Stephanie Frappart (Frankreich) nach Intervention des Videoassistenten auf den Elfmeterpunkt zeigte. Rapinoe verwandelte sicher (61.). Kurz darauf brachte ein beherztes Solo von Rose Lavelle die Entscheidung (69.).

Dass die „Oranje Leeuwinnen“ am Ende nicht arg unter die Räder kamen, war ihrer herausragenden Torhüterin Sari van Veenendaal zu verdanken. „Dass wir so lange oben stehen“, erklärte Rapinoe, sei dem Leitmotiv „play hard, work hard“ zu verdanken. Die Basis bilden fast zwei Millionen Mädchen im US-Soccer-Betrieb: „Wenn wir Titel gewinnen, sind wir deren Vorbilder und schaffen es, dass wieder neue Spielerinnen nachkommen.“

Funktioniert dieser Kreislauf weiterhin so gut, wird es für andere Nationen schwierig, die amerikanische Vormachtstellung zu brechen.

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