Augsburg – Das letzte Spiel der alten Saison verlor der FC Augsburg 1:8, in Wolfsburg war das, und natürlich ist das Trainer Martin Schmidt, der gerade erst ein paar Wochen im Amt war, nachgehangen. „Doch vielleicht wird man in einigen Monaten sagen, dass dieses Ergebnis etwas Gutes hatte“, sagt der Schweizer zum Beginn der Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Man wurde zur Analyse gezwungen, „das Spiel hat uns viele Erkenntnisse gebracht“.
Fünf Spieltage zuvor war Schmidt als Nachfolger von Manuel Baum mit einem 3:1-Coup bei Eintracht Frankfurt in seine Zeit beim FCA gestartet. Da konnte er „die Stamm-Elf“ aufbieten. Von ihr weiß er: Sie ist gut, sie kann in der Bundesliga mithalten. „In Wolfsburg aber“, erklärt er, „haben wir mit der Breite gespielt“. Die erste Elf war nahezu komplett verletzt zuhause geblieben, Schmidt musste eine Formation zusammenstellen aus Reservisten, Nachwuchsspielern, lange ausgefallenen Akteuren und solchen, „die wir im letzten Heimspiel die Woche davor schon verabschiedet hatten – und nun doch noch brauchten“. So könne dann auch mal ein 1:8 entstehen.
Jedenfalls: Schon am Tag danach hatten sie beim FC Augsburg eine Sitzung, in der sie vor allem über die medizinische Versorgung diskutierten. „Wir hatten eine Häufung von Ausfällen wegen Beschwerden in Adduktoren- und Abduktorenbereich und am Schambein“, fand Schmidt, der sich sportwissenschaftsaffin nennt – und in diesem Bereich ansetzen will für die neunte Bundesligasaison des FC Augsburg.
Sechs neue Spieler haben die Augsburger bereits verpflichtet, der neue Chefscout Timon Pauls, vom FC Bayern gekommen, Manager Stefan Reuter und Martin Schmidt haben sich in der Sommerpause regelmäßig am Telefon ausgetauscht – zusammengeschaltet aus unterschiedlichsten Regionen: Pauls in Südamerika, Reuter urlaubend in Vietnam und Kambodscha, Schmidt in seinen Walliser Bergen und am Mittelmeer. Man verständigte sich auf die Transfers junger und schneller Spieler – und eines 24-jährigen Ecuadorianers, der das Herzstück des neuen FCA-Teams werden könnte: Carlos Gruezo, der schon mal beim VfB Stuttgart kickte. „Ein Typ wie Arturo Vidal, ein Krieger im defensiven Mittelfeld“, freut sich Schmidt, dem wichtig war, „dass ich da nicht einen Südamerikaner habe, den ich erst ein halbes Jahr integrieren muss“. Gruezo spreche „Deutsch, perfekt Englisch, Portugiesisch, Spanisch“ und könne Anweisungen in alle Richtungen des Schwaben-Multikulti geben.
Als wichtigsten Neuzugang führt Schmidt Gruezo aber nicht. „Das ist vielleicht Daniel Müller. Er ist eine Koryphäe.“ Der FCA-Trainer listet auf: „Er ist Sportwissenschaftler, Osteopath, Akupunkteur, Heilpraktiker, er hat als Performance Coach für den Deutschen Eishockey-Bund und den EHC München gearbeitet.“ Entdeckt wurde er von FCA-Geschäftsführer Michael Ströll, der in Müllers Münchner Praxis zur Behandlung war. In Augsburg ist Müller nun Athletiktrainer.
In diesem Bereich hat der FCA im Sommer massiv investiert. Es wurde ein GPS-System eingekauft, das alle Bewegungsdaten der Spieler im Training liefert, überhaupt wird alles, was sich im Fitnessraum abspielt, protokolliert. In der Arena wird gerade umgebaut, „unser Kraftraum hatte die Größe eines Sechzehners, jetzt ist er ein Feld“ (Schmidt). Der FCA will möglichst verletzungsfrei durch die Saison kommen, besser abschneiden als auf Platz 15. Und Martin Schmidt will nie mehr ein 1:8 erklären müssen.