Trainingsauftakt in der Bundesliga – immer ein magisches Datum. Es fällt in die Leichtigkeit, die der Sommer verströmt. Es herrscht eine wunderbare Atmosphäre – geprägt von Erwartungen, frei von Befürchtungen. Als würde es in der neuen Saison gewiss keine Absteiger geben, sondern nur Meister und Europacup-Teilnehmer.
Trainingsauftakt ist auch der Tag der rappelvollen Spielfelder. Die Übungsleiter lassen zwecks Motivation auch die hoffnungsvollen Jugend- und Amateurspieler mittrainieren, zudem müssen sie die Spieler beschäftigen, die verliehen waren an Zweitligisten, die nun aber, bis zum nächsten Vertrag, dann in der 3. Liga, zurück sind. Die Trainingskiebitze tun sich schwer damit, die Teilnehmer zu identifizieren. Was ihnen die Aufgabe erleichtert: Die richtigen Neuzugänge stellen sich zu einem Foto mit dem Trainer auf.
Beim FC Bayern war der Trainingsauftakt auch mal etwas Besonderes. Wir erinnern uns an 2013, als man als Triple-Gewinner und nach der Verpflichtung des Trainersuperstars Pep Guardiola ein so großes öffentliches Interesse feststellte, dass von der Säbener Straße in die Arena ausgewichen wurde. Bereitwillig kehrten Nationalspieler früher aus dem Urlaub zurück, um keine Sekunde unter Pep zu verpassen. Mit Anatoli Timoschtschuk kam sogar ein Nicht-mehr-Bayern-Spieler (Vertrag ausgelaufen) unter vorgetäuschten Gründen (in München noch Formalitäten zu erledigen), um einmal im Leben unter Guardiolas Genie-Augen Fünf gegen Zwei im Kreis gespielt zu haben.
Indes der Trainingsauftakt 2019: Foto mit trainingsfähigen Neuzugängen? Das wäre Niko Kovac mit Jann-Fiete Arp. Vom Zaun für die wenigen anwesenden Spieler kaum Applaus, stattdessen panisches Gemurmel, weil Robben, Ribery, Hummels noch nicht ersetzt sind. Fällt unter den Beobachtern der Name Salihamidzic, wird das wie eine schwere Anklage klingen. Vielleicht sollte der FC Bayern kurzfristig noch ein paar sportlich aussehende Statisten anheuern, um von seiner personellen Ausgedünntheit abzulenken (und für die neuen Trikots zu werben).
Für alle, die auf Veränderung der Kräfteverhältnisse in der Bundesliga hoffen, ist es der schönste Trainingsauftakt seit Jahren. Wann hatte man das schon mal beim FC Bayern, dass es nicht mal mehr Transfergerüchte gab?
Bayern-Skeptiker sollten diese Tage genießen – bevor Uli Hoeneß doch noch den Transferhammer rausholt. Und Bayern im April dann ohnehin wieder frühzeitig Meister ist.
Guenter.Klein@ovb.net