Neuer an FC Bayern: Tut was!

von Redaktion

Klarste Ansage seit Philipp Lahms teurem Interview vor zehn Jahren

VON GÜNTER KLEIN

München – Manuel Neuer hat das geschickt gemacht. Preisgünstig. Er hat nicht selbst gesprochen. Er hat sprechen lassen. Seinen Berater Thomas Kroth.

An diesem Montag startet der FC Bayern in die Saison 2019/20. Um 17 Uhr ist das erste Training, ein öffentliches, drei Stunden zuvor wird sich Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge aufs Podium im Mediencenter der Allianz Arena setzen. Das Thema liegt ja schon in der Luft, es lautet: Warum tut sich Deutschlands bester, berühmtester und vermögendster Club diesen Sommer so schwer, neue Spieler für seine Mannschaft zu bekommen? Und Manuel Neuer hat, indem er durch sein Medium Thomas Kroth spricht, dem Thema Nachdruck verliehen.

Sein Vertrauter Kroth also sagt über Neuer: „Er will die Europameisterschaft gewinnen und er will noch mal die Champions League gewinnen. Wenn er merkt, der FC Bayern klotzt ran, dann wird er noch einmal richtig aufblühen.“ Was aber, wenn der FC Bayern nicht klotzt? Wird das Pflänzlein Neuer dann verkümmern? Wird ihm die Motivation ausgehen? Nicht mehr der Manuel Neuer sein, den die Bayern sich wünschen und der er zumindest im Pokalfinale gegen Leipzig wieder war?

Die deutliche Ansage folgt in Teil zwei von Berater Kroths Statement: „Manuel ist erfolgsorientiert. Mein Eindruck ist, dass der Abstand zu den vier englischen Top-Teams schon gravierend ist und der Münchner Kader aktuell noch nicht entsprechend – also konkurrenzfähig – aufgestellt ist, um auch die Ziele von Manuel ernsthaft anzugehen.“ Das ist die schärfste Ansage an die Vereinsoberen des FC Bayern seit Philipp Lahms Interview vor zehn Jahren, als die Münchner am Anfang der Amtszeit von Louis van Gaal standen und keine strategische Linie zu finden schienen. Lahm musste – weil das Interview mit der Süddeutschen Zeitung – am Club vorbei geführt worden war, mit 50 000 Euro Buße tun. Manuel Neuer kann keine Rechnung gestellt werden – denn, wiederum gegenüber der SZ, war es ja der Berater, der sich geäußert hat.

Neuers Vertrag beim FC Bayern läuft noch zwei Jahre, bis er 35 ist. Wahrscheinlich ist bis dahin (mit dem Schalker Alexander Nübel) eine Nachfolgeregelung getroffen, sodass das Wohl und Wehe des Rekordmeisters nicht mehr davon abhängen wird, ob sein Weltmeister-Torhüter noch einmal verlängert. Und dass der am Tegernsee, wo er aufwendig gebaut hat, heimisch gewordene Neuer seinen Lebensmittelpunkt in eine andere Region, zu einem anderen Club, verlegt, davon ist auch nicht auszugehen. Er wird nicht weggehen.

Die Worte über Neuer sind Wirkungstreffer für den FC Bayern in einem Moment, in dem er mit einem Gerippe von Kader dasteht und unter den Fans der Unmut wächst über die passiv anmutende Transferpolitik. Thomas Kroth erinnert ans Jahr 2012, als sein Klient „sich nach fünf Minuten für die Bayern entschieden hat“. Obwohl auch Manchester United um ihn geworben hatte (nach einer fantastischen Neuer-Leistung beim direkten Aufeinandertreffen in der Champions League) und Neuer aufgrund eines früheren Bekenntnisses zur Schalker Ultra-Kultur in Münchner Fankreisen abgelehnt wurde („Koan Neuer“). Heute würde eher Neuer seine Skepsis artikulieren: Koan FC Bayern.

Karl-Heinz Rummenigge wird heute wohl versuchen, den Druck aus der Geschichte zu nehmen. Er wird sagen, dass die Transferperiode gerade erst begonnen, man schon zwei Weltmeister aus Frankreich verpflichtet habe, seine Hausaufgaben kenne und sich der Identifikation Manuel Neuers mit dem FC Bayern absolut sicher sei. Es bestehe kein Dissens.

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