Ohne Germany

von Redaktion

In Wimbledon sind im Einzel alle Deutschen draußen – US-Teenie Gauff begeistert weiter

VON DORIS HENKEL

London – An manchen Tagen wird einem sehr schnell klar, wie nebensächlich Niederlagen sein können, das fand auch Jan-Lennard Struff. Anfang des vierten Satzes seiner Partie gegen Michail Kukuschkin aus Kasachstan brach eine 60 Jahre alte Zuschauerin auf der Tribüne zusammen, Spieler und Zuschauer mussten den Platz verlassen, während sie wiederbelebt wurde. Als Struff und Kukuschkin nach etwas mehr als einer Stunde ins Spiel zurückkehrten, wussten sie zwar, dass die Frau auf dem Weg ins Krankenhaus war, und es war für beide nicht leicht, mit dieser Situation umzugehen, doch das schafften sie irgendwie.

Struff gelang es allerdings nicht mehr, das Spiel noch umzudrehen. In den ersten beiden Sätzen habe er nicht gut gespielt, meinte er hinterher, und nach der Unterbrechung sei der andere einfach brutal gut gewesen. Wäre früher in diesem Satz einer seiner Returns bei diversen Gelegenheiten zum Break im Feld gelandet und nicht außerhalb oder im Netz, dann hätte er vielleicht einen fünften Satz erzwungen, doch schließlich gewann der gleichermaßen unscheinbar wie effektiv spielende Mann aus Kasachstan 6:3, 7:6, 4:6, 6:4.

Es werde sicher einige Tage dauern, bis er die Enttäuschung überwunden haben werden, meinte Jan-Lennard Struff hinterher, zu gern wäre er zum ersten Mal in Wimbledon im Achtelfinale gelandet.

Er hätte den Altersschnitt in der zweiten Woche mit seinen 29 Jahren zumindest um eine Kleinigkeit senken können. Zum ersten Mal in der Profiära starten an diesem Montag mehr Spieler, die 30 Jahre und älter sind, als jene, die unter dieser Grenze liegen, in die zweite Woche der Championships. Jüngster ist der 21 Jahre Franzose Ugo Humbert, Nummer 66 der Welt, Ältester mal wieder ein nicht ganz unbekannter Spieler aus der Schweiz, der das Turnier schon ein paarmal gewonnen hat.

Bei den Frauen sieht die Sache deutlich jugendlicher aus, nur vier der 16 Spielerinnen der vierten Runden sind 30 Jahre alt und darüber. Aber Wellen schlugen bisher die beiden Teenager, die 19 Jahre alte Dajana Yastremska aus der Ukraine und vor allem natürlich Cori Gauff. Mit 15 Jahren und vier Monaten ist die bisher spektakulär spielende Amerikanerin die Jüngste im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers seit Anna Kurnikowa bei den US Open 1996 und in Wimbledon seit 1991, als damals auch 15 Jahre alte Amerikanerin Jennifer Capriati bis ins Halbfinale der Championships kam. Vor allem daheim in den USA sind alle völlig aus Häuschen nach den Auftritten von Miss Gauff, bis hinauf zur ehemaligen First Lady Michelle Obama, die die Ereignisse auf Twitter in drei Worten zusammenfasste: Coco is terrific.

Eindrucksvoll war allerdings auch der Auftritt von Serena Williams beim Sieg in zwei Sätzen gegen Julia Görges (6:3, 6:4). Im ersten Satz mit reichlich Gebrüll, feurigen Blicken und der ein oder anderen demonstrativ gezeigten Faust, wirkte sie im zweiten Satz deutlich ruhiger, aber nicht weniger souverän. Jedes Spiel zähle für sie dieser Tage doppelt, hatte sie in der vergangenen Woche schon mehrfach gesagt, und mit den Erkenntnissen des Duells mit Görges wird sie sicher mit einem guten Gefühl in die zweite Woche des Turniers gehen.

Für Julia Görges war es die fünfte Niederlage im fünften Spiel mit Williams, aber sie fand hinterher, es es ihre bisher beste gemeinsame Partie gewesen. „Das war heute das erste Match, in dem ich sehr nah dran war, das war viel hochklassiger als im vergangenen Jahr. Sie war von Anfang an voll da, und ich hab das auch als Zeichen von Respekt für mich gesehen“, sagte Görges. Sie ist überzeugt davon, in der unteren, deutlich weniger stark besetzten Hälfte des Tableaus wäre sie mit ihrer Leistung vermutlich in der zweiten Woche gelandet, aber die Idee führt schließlich auch nicht weiter; es ist, wie es ist.

Nun ist das deutsche Kapitel im Einzel der Championships 2019 nach der ersten Woche beendet. Gleiches ereignete sich in Wimbledon zuletzt vor vier Jahren. Aber auch zu Beginn der zweiten Woche wird noch Deutsch gesprochen, im Doppel mit Laura Siegermund und Anna-Lena Friedsam und mit Anna-Lena Grönefeld an der Seite der holländischen Partnerin Demi Schuurs, und im Mixed mit Siegemund und ihrem Partner Artem Sitak aus Neuseeland.

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