München – Im Sport geschehen manchmal Dinge, die nur schwer zu erklären sind. Im vergangenen Jahr spielten die München Caribes die schwächste Saison der jüngeren Vereinsgeschichte, die Baseballer vom Oberwiesenfeld mussten bis zuletzt um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga Süd-Ost bangen. In diesem Sommer scheinen die Caribes wie verwandelt, sie eilen von Sieg zu Sieg und haben als Tabellenführer die Meisterschaft fest im Blick. Dabei hat sich personell in der Mannschaft wenig geändert. Praktisch das gleiche Team, das vor Jahresfrist beinahe abgestiegen wäre, dominiert nun die Liga. „Ich bin auch auf der Suche nach Antworten“, zeigte sich Spielertrainer Nick Angstman selbst ein wenig ratlos.
Möglicherweise war der gemeinsame Abstiegskampf ein Schlüsselerlebnis. „Wir haben uns letztes Jahr durchgekämpft, das hat uns vielleicht zusätzlich motiviert“, erklärte Angstman. Außerdem stehen Leistungsträger wie Steve Walker oder Ripken Reyes in diesem Sommer regelmäßiger zur Verfügung, die jungen Spieler haben sich weiterentwickelt. Beim Pitchen, also beim Werfen, zeigen sich die Caribes deutlich verbessert. Vor allem hat die Mannschaft aber mittlerweile das Selbstvertrauen, das Teams auszeichnet, die einen Lauf haben. Während in der letzten Saison die knappen Spiele verloren gingen, wurden sie in diesem Sommer allesamt gewonnen.
Knapp war es am Samstag nicht, mit 14:6 und 13:3 gelangen zwei klare Sieg gegen die Freising Grizzlies. Mit jetzt 16 Siegen und nur zwei Niederlagen liegen die Caribes an der Tabellenspitze, der erste Verfolger Regensburg hat schon fünfmal verloren. Der Leistungsaufschwung könnte den Baseballern dazu verhelfen, pünktlich zum 25. Vereinsjubiläum einen großen Traum zu verwirklichen und erstmals in die Bundesliga aufzusteigen. Schon zweimal erspielten sich die Caribes in den letzten Jahren ein Aufstiegsrecht, verzichteten aber jeweils. Zwischenzeitlich wurde kontinuierlich in den Ballpark Oberwiesenfeld investiert, das Spielfeld erfüllt mittlerweile die Ansprüche der höchsten Liga. Der Verein scheint nun bereit, die Herausforderung Bundesliga anzunehmen. „Wir wollen aufsteigen“, stellte Präsidentin Nixie Zarate-Trassl klar.
Um in der Bundesliga bestehen zu können, müsste wohl aber auch in Spieler investiert werden. In der höchsten Spielklasse kommen immer mehr professionelle oder halbprofessionelle Spieler zum Einsatz. „Ich würde es gerne vermeiden“, erklärte Zarate-Trassl: „Ich finde es schöner, wenn die Spieler, die hier sind, auch wirklich hier sein wollen. Weil die Caribes eine große Familie sind und sie sich zuhause fühlen.“ Da aber auch Freitagabendspiele mit weiter Anreise auf dem Spielplan stehen könnten, wird die Bundesliga mit einer Mannschaft, die ausschließlich aus berufstätigen Spielern besteht, kaum zu bewältigen sein.
Wenn die aktuelle Spielzeit beendet ist, wollen sich die Verantwortlichen zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen. Doch zunächst einmal gilt es, die Meisterschaft auch tatsächlich zu gewinnen. Nach dem letzten Heimspiel am Samstag stehen noch fünf Auswärtsspiele an, in denen der Vorsprung verteidigt werden muss. Angesichts des aktuellen Laufs zweifelt aber kaum jemand daran, dass dies den München Caribes auch gelingen wird.