Lyon – Megan Rapinoe posierte stolz mit der WM-Trophäe, gab ihrer Freundin Sue Bird einen Kuss – und schickte dann gleich die nächste Botschaft an ihren Lieblingsfeind Donald Trump. „Dieses Team ist gerade dabei, die Welt zu verändern“, beschwor die zur Fußball-Ikone aufgestiegene Rapinoe in ihrer Rolle als Anführerin der „neuen Fackelträgerinnen“ (New York Times).
Nach Rapinoes Ankündigung, bei einem WM-Triumph sicher nicht „ins f***ing Weiße Haus“ zu kommen, hatte ihr der US-Präsident geantwortet, sie solle „erst mal GEWINNEN, dann REDEN“. Also führte sie den Titelverteidiger beim 2:0 (0:0) im WM-Finale gegen die Niederlande mit der Führung per Foulelfmeter (61.) zum vierten Stern – und wurde mit ihrem Team sogar von Trump gefeiert.
„Das war ein schönes und aufregendes Spiel, Amerika ist stolz auf euch alle“, gratulierte der Präsident via Twitter. Vorgänger Barack Obama adelte die US-Auswahl als „Rekordbrecherinnen“, die sich selbst und alle anderen „pushen, immer besser zu werden. Ich liebe dieses Team.“
Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, appellierte: „Das Frauen-Nationalteam hat uns seine Größe gezeigt – jetzt gebt ihnen das Geld.“ Ein Großteil der 59 700 Zuschauer im Stade de Lyon schrie ebenso nach gleicher Bezahlung ihrer Heldinnen, für die die Golden Girls seit Jahren kämpfen. Sogar mit einer Klage gegen den eigenen Verband, der die erfolglosen Männer noch immer bevorzugt behandelt, obwohl die Frauen als Rekordweltmeister das Aushängeschild sind.
„Equal pay! Equal pay!“, schallte es FIFA-Präsident Gianni Infantino in Lyon entgegen. „Die Bewegung wächst vor unseren Augen! Gebt den Leuten, was sie wollen“, forderte Rapinoe. „Es ist Zeit für den nächsten Schritt.“
Mit ihren mutigen Auftritten in Frankreich hat die Frau mit den pinken Haaren ihren Teil beigetragen. Nicht nur sportlich ist sie auf dem linken Flügel unterwegs. Aus Protest gegen die Trump-Politik singt sie die Nationalhymne nicht mit, sie nutzt ihre Bühne, um für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung zu kämpfen. Ganz nebenbei schaffte sie es auch noch, mit 34 Jahren eine überragende WM-Endrunde zu spielen.
Die wohl größte Wertschätzung für das Vermächtnis dieser goldenen Generation um Rapinoe, Morgan und Carli Lloyd kam aus berufenem Munde. „Diese Athletinnen haben dem Frauensport mehr Aufmerksamkeit, Unterstützung und Stolz verschafft als wohl jedes andere Team in der Geschichte“, schrieb Gleichberechtigungs-Ikone Billie Jean King: „Es ist schon längst an der Zeit, ihnen das zu zahlen, was sie zu Recht verdienen.“ sid