Karl-Heinz Rummenigge hat einiges gesagt bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz des FC Bayern, was nicht zu widerlegen ist. Gestern war tatsächlich erst der 8. Juli, und das Transferfenster wird geöffnet sein bis heuer sogar 2. September. Ergibt fast zwei Monate Zeit. Wahr ist auch, dass der Spielermarkt noch nicht in Bewegung geraten ist. Offensichtlich warten viele darauf, dass Neymar, der Teuerste, Paris St. Germain verlässt und Folge-Transfers auslöst. Dann purzeln die Steine wie einst bei Linda de Mol beim „Domino Day“ auf RTL.
Doch dass die Bayern auf das Handeln anderer angewiesen sind, ist für sie ernüchternd. Rummenigge hat die Vorzüge des Standorts München aufgezählt: Verein spielt immer oben mit in Europa, die Stadt ist klasse, im Stadion kickt man gerne. Was er nicht so herausstellt, ist die Finanzkraft seines Clubs. Wer – Quelle: der letzte verfügbare UEFA-Report – 276 Millionen Euro für Gehälter aufwendete, sollte sogar mit einigen der Top-Clubs aus England mithalten können. Trotzdem sagen Spieler ab, die der FC Bayern früher wohl bekommen hätte.
Dass der Verein sich in diesem Sommer so schwertut, könnte wohl auch an handelnden Personen liegen. Niko Kovac ist trotz des guten Ausklangs für ihn in der vergangenen Saison kein Trainer, zu dem Spieler pilgern würden wie zu Guardiola – zumal der FC Bayern es nach wie vor nicht schafft, Kovac in eine Position der Stärke zu heben. Mit dem Bruchstücke-Kader, über den der Coach zum Auftakt verfügen kann, wird er einen absehbar schweren Start erleben. Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic ist keine leuchtende Figur, sondern eben ein Schwachpunkt. Was die Bayern-Oberen mit bemühtem Lob zu überspielen versuchen. Gestern hat Rummenigge gesagt, Salihamidzic sei „der Spiritus Rector des Hernandez-Transfers. Er war oft in Madrid.“ Uli Hoeneß stellt bei jeder Gelegenheit Fleiß, Lernfähigkeit und Auffassungsgabe des Sportdirektors heraus. Was irgendwie klingt nach: Können tut er nix.
Er müsste aber sehr vieles können. Auch Verkaufen gehört dazu. Jerome Boateng soll einen guten Erlös bringen, doch die Bayern-Bosse selbst haben mit ihren Bemerkungen über ihn den Preis schon kaputtgemacht. Es wird eine schwierige Zeit bis 2. September – und wohl darüber hinaus.
Guenter.Klein@ovb.net