Warten auf den Domino-Effekt

von Redaktion

Lucas Hernández stellt sich den Fans vor, doch die Bayern-Bosse wollen mehr

VON DANIEL MÜKSCH

München – Braun gebrannt und mit bester Laune präsentierte Karl-Heinz Rummenigge den (bisherigen) Königstransfer des deutschen Rekordmeisters. Und Lucas Hernández passte sich prompt dem roten Lebensgefühl von der Säbener Straße an. „Pack ma’s“, versuchte der Franzose auf bayerisch gleich die Verbundenheit zu seinem neuen Arbeitgeber unter Beweis zu stellen.

In der dritten Reihe lauschten seine Frau Amelia und Söhnchen Martin den deutschen Begrüßungsworten des Weltmeisters in der Arena. Es folgte die übliche Lobhudeleie, die ein solch großer Transfer mit sich bringt. Hernández betonte, was für eine große Ehre es sei, das Trikot des FC Bayern zu tragen und Rummenigge stellte fest, dass die Bundesliga stolz sein könne,so ein Weltmeister-Kaliber verpflichtet zu haben. Einmal ließ Rummenigge noch aufhorchen, als er süffisant anmerkte, dass Mats Hummels den FC Bayern nur Richtung Dortmund verlassen habe, weil Trainer Niko Kovac ihm zu verstehen gab, dass das Trio Hernández-Pavard-Süle seine erste Wahl in der Innenverteidigung sei.

Die Aufregung um die Aussagen von Manuel Neuers Berater, Thomas Kroth, versuchte der Vorstandsvorsitzende im Keim zu ersticken – aber nicht ohne eine Spitze: „Das ist die private Meinung von Thomas Kroth. Er ist nicht das Sprachrohr von Manuel Neuer. Ich fand die Aussagen etwas eigenartig“, so Rummenigge und kündigte weitere Transfers an. Man müsse nur den einen großen europäischen Transfer abwarten, der alles ins Rollen bringe.

Auch für seinen Sportdirektor hatte der Bayern-Boss ein Zuckerli dabei: Bei dem Hernández-Transfer habe Hasan Salihamidzic den Stein ins Rollen gebracht. Das betonte Rummenigge mehrfach vehement und ohne Nachfrage.

Hernández als das Gesellenstück des kritisch beäugten Sportdirektors. Aber wo war Salihamidzic? Wäre es dann nicht logisch gewesen, der vermeintliche Chefstratege hätte den Lohn seiner Arbeit persönlich präsentiert? Doch diese Bühne möchte Rummenigge anscheinend noch nicht übergeben oder wenigstens teilen. „Brazzo“ bleibt vorerst ein Mann für die zweite Reihe. Auftritte wie bei der legendären Menschenwürde-Pressekonferenz im vergangenen Jahr möchte man dem Bosnier anscheinend ersparen. Erst recht, da er sich mit Sicherheit zur delikaten Kritik des Neuer Beraters hätte äußern müssen.

Doch Rummenigge überraschte auch mit Selbstkritik. „In Zukunft werden wir über Transfers weniger in der Öffentlichkeit reden“, versprach er und nahm Vereinspräsident Uli Hoeneß im gleichen Atemzug gleich wieder in Schutz: „Uli hat mit seinen Aussagen schon heute recht. Schon jetzt haben wir für die nächste Saison so viel investiert, wie niemals zuvor.“

Dennoch musste er einräumen, dass sich die Preise in Europa auf ein Niveau bewegt haben, bei dem selbst der FC Bayern nur schwer mithalten kann. In der Vergangenheit forderte Rummenigge daher eine europäische Gehaltsobergrenze – nach dem Vorbild des „Salary Cap“ aus dem US-Sport,

Von diesem Wunsch hat er sich jedoch verabschiedet, wie Rummenigge gegenüber unserer Zeitung verriet: „Diese Hoffnung habe ich aufgegeben. Immer wieder bin ich damit bei der Uefa vorstellig geworden. Das verstößt aber gegen europäisches Recht, war dann immer die Antwort.“

Kampflos will er sich dem Markt nicht unterwerfen. Zu unserer Zeitung sagte er: „Das Financial Fairplay sollte angezogen werden, um zumindest etwas Chancengleichheit zu gewährleisten“

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