Der Sprint ist nicht mehr deutsch

von Redaktion

Beim Etappensieg des Italieners Elia Viviani sind Andre Greipel und Kollegen chancenlos

VON RUBEN STARK UND EMANUEL REINKE

Nancy – Andre Greipel war wieder nur eine Randfigur, auch Peter Sagan streckte sich vergeblich: Die Ovationen gehörten beim ersten echten Sprint royal der 106. Tour de France in Nancy dem Italiener Elia Viviani. Mit einem unwiderstehlichen Antritt ließ der Radprofi aus dem Team Deceuninck-Quick Step seine Konkurrenten stehen und feierte am Ufer der Meurthe den ersten Tour-Etappensieg seiner Laufbahn.

Greipel verpasste einen Platz unter den besten Zehn und landete als bester deutscher Fahrer auf dem zwölften Rang. „Ohne starke Mannschaft ist es schwer. Es war chaotisch,jeder hat die Ellenbogen ausgefahren“, klagte Greipel über die aus seiner Sicht unzureichende Unterstützung in der französischen Mannschaft Arkea-Samsic.

Viviani setzte sich in dem aufregenden Hochgeschwindigkeitsfinale der vierten Etappe nach 213,5 km knapp vor dem Norweger Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) und dem Australier Caleb Ewan (Lotto-Soudal) durch und bescherte seiner Mannschaft nach dem Tageserfolg von Julian Alaphilippe in Epernay den zweiten Sieg in Folge. Alaphilippe behauptete das Gelbe Trikot.

Einziger deutscher Etappensieger in Nancy bleibt Rolf Gölz (1988). „Ich freue mich über alles Positive bei dieser Tour, aber heute habe ich leider keine Lücke gefunden“, sagte Greipel. Der Slowake Sagan aus der Raublinger Bora-hansgrohe-Mannschaft kam auf Rang vier und behauptete das Grüne Trikot.

Das gestrige Teilstück war der nächste Beleg dafür, dass die deutsche Sprinterherrlichkeit erst einmal vorüber ist. Marcel Kittel und John Degenkolb fehlen dieses Jahr, Pascal Ackermann wird frühestens 2020 sein Tour-Debüt feiern – und Greipel ist nicht mehr der Alte.

Der Rostocker ist anders als in den Vorjahren nur mit bescheidenen Zielen in Frankreich unterwegs. Der elfmalige Tour-Etappensieger fährt der Form der Vergangenheit aber hinterher. „Ich bin realistisch. Ich habe ein durchwachsenes Jahr hinter mir und konnte nicht die Leistung abrufen, die ich gewohnt bin. Ein Etappensieg wird schwer“, hatte der 36-Jährige gesagt.

Vor dem spannenden Finale hatte sich das für Flachetappen oft typisch eintönige Szenario entwickelt. Drei Profis, darunter der Schweizer Michael Schär, suchten ihr Heil in der Flucht – trotz der von vornherein ungünstigen Aussicht auf Erfolg. Im Peloton diktierte ähnlich wie am Montag der deutsche Zeitfahrspezialist Tony Martin (Cottbus) vom Team Jumbo-Visma über Stunden das Tempo und hielt den Abstand unter Kontrolle.

Ein Sturz etwa zur Etappenmitte sorgte bei Bora für einen kurzen Schreck, denn der österreichische Meister Patrick Konrad war betroffen, neben Emanuel Buchmann die Hoffnung auf einen Spitzenplatz in der Gesamtwertung. Konrad verletzte sich aber nicht ernsthaft.

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