Die Cukurs gehen in den Circus

von Redaktion

„Leo’s Boxgym“ ist zu klein für die Ambitionen der Münchner Profis

VON GÜNTER KLEIN

München – Für Levent Cukur schließt sich am Samstag der Kreis des Boxerlebens. Er wird dann zurück sein im Circus Krone.

„Von der Atmosphäre her die beste Location“, sagt der 51-Jährige. Gute Sicht von allen Plätzen, aller Augen sind auf die Manege gerichtet. Und dann diese Geschichte: Sogar Muhammad Ali, der Größte, hat in den 70er-Jahren hier mal trainiert.

Levent Cukur verbindet persönliche Erinnerungen mit dem Circus: „Fünfmal insgesamt habe ich hier geboxt“, blickt er zurück, „zuerst als Amateur bei der Bayerischen Meisterschaft, 1998 war im Krone-Bau mein Profi-Debüt, 2002 bin ich Weltmeister geworden.“ Dass Cukur den Leichtgewichts-Titel des Verbandes WBF gewann, war der Abschluss seiner Karriere. Mit 34. Jetzt ist Emre dran, 26, sein Sohn. Am Samstagabend wird er den Hauptkampf bestreiten, gegen den in der Weltrangliste rund 30 Plätze höher stehenden Moldawier Vadim Gurau.

Cukur senior ist nun der Promoter. Er hat sich im Circus Krone eingemietet, versucht sich mit einer Veranstaltung erstmals auf dieser relativ großen Bühne. Denn die kleine wird dem Interesse an seinem Boxstall nicht mehr gerecht. Bisher stiegen die Cukur-Abende meist im eigenen Haus, in „Leo’s Boxgym“ in einem Keller in Aubing. Die Örtlichkeit vermittelte Rocky-Feeling – aber Cukurs Kämpfer (neben seinem Sohn Emre sind es im Profibereich Leon Gavanas, Alexander Rigas, Yussuf Sultanoglu und Hector Hernandez) haben sich ein jeder eine eigene Fan-Community aufgebaut. Mit ihnen hat Levent Cukur auch plakatiert für sein Event am Samstag – wobei er Hernandez kurzfristig aus dem Programm nehmen muss. Der Mittelgewichtler brachte von einem Kampf Mitte Juni in Schwerin einen tiefen Cut am Kopf mit. Cukur: „Ist fast verheilt. Jeder andere Promoter würde sagen: ,Das geht schon.’“ Er sagt, er wolle seine Leute aber nicht verheizen.

Levent Cukur ist ein kleiner Promoter, das hat er im Vorfeld seiner „Boxnacht 6“ zu spüren bekommen. Zwischen Sohn Emre und Vadim Gurau sollte es um den vakanten Interconti-Gürtel der WBO gehen, doch drei größere Boxställe funkten dazwischen, unter anderem die K2 Promotion aus dem Hause Klitschko. Nun ist es eben ein normaler Kampf – in dem es aber zumindest um reichlich Punkte für die Ranglisten geht: Mit einem Sieg könnte Emre Cukur unter die besten 50 der Welt vorstoßen, momentan ist er die Nummer 103. Für 26. Oktober hat Cukur senior schon einen Titelfight in Istanbul für Emres Kalender vorgemerkt.

„Emre wird vorbereitet sein wie nie zuvor“, verspricht Levent Cukur. Praktischerweise befindet sich in Aubing im Stockwerk über Leo’s Gym die „Crossfit Körperschmiede“ von Andreas Fleischhacker – dort beginnen Cukurs Boxer den Tag. Später geht es in den Ring.

Fit muss auch Papa Levent sein. Der Samstag wird ihn fordern. Am Samstag um 6 Uhr in der Früh kann er in den Circus Krone, dort müssen der Ring, das Licht und die Soundanlage aufgebaut werden – wird aus Frankfurt geliefert. Bis 15 Uhr soll alles fertig sein. Und abends wird geboxt. Sieben Kämpfe. Große Emotionen. Es wird ein langer Tag.

Artikel 8 von 11