Es ist schon ein merkwürdiger Transfersommer: Zum Trainingsauftakt kann kein Fan oder Experte seriös eine Bilanz der Spieler–Rochaden ziehen. Die meisten Vereine sind noch auf der Suche nach adäquaten Verstärkungen und jedes heutige Mannschaftsposter könnte sich morgen als angestaubtes Archivmaterial entpuppen.
Nüchtern muss man festhalten, dass Verträge für die Superstars inzwischen nur noch Makulatur sind. Will ein Spieler vom Kaliber eines Neymar oder Antoine Griezmann wechseln, kann ihn davon kein Vertrag der Welt mehr abhalten. Im Notfall erscheinen die Herren einfach nicht zum Trainingsauftakt und lenken die Aufmerksamkeit so lange auf ihre Wechselwilligkeit, bis der Arbeitgeber einknickt. Allein um Ruhe in den Verein zu bekommen und nicht permanent das Thema wie ein Damoklesschwert vor sich her tragen zu müssen. Die Vereine sind heutzutage den Millionen-Imperien, die hinter den Superstars stehen, erbarmungslos ausgeliefert.
Zyniker könnten einwenden, so sei nun mal das Geschäft und damit müsse man sich heutzutage abfinden. Sicherlich richtig. Für den Fan ergibt sich daraus aber ein unwürdiges Schauspiel. Mit an sicher grenzender Wahrscheinlichkeit werden Neymar und Griezmann sich bald im Trikot des FC Barcelona ablichten lassen und ihre ewige Liebe zum neuen Arbeitgeber beteuern. Als habe man nur von diesem Verein geträumt und womöglich jede Nacht in der Bettwäsche des Clubs von großen Triumphen just in diesem Jersey geträumt.
Nächster Schritt der inszenierten emotionalen Verklärung: Nach einem Tor wird das Emblem des Vereins auf der Brust derart leidenschaftlich geküsst, dass jede Ehefrau vor Eifersucht schäumen müsste. Eine PR-Agentur platziert dazu rührselige Posts in den sozialen Medien und täuschen vor der Superstar teile seine ganz privaten Emotionen mit Millionen von Followern. Fertig ist die einzig wahre Liebe. Solange bis die nächste einzig wahre Liebe am Horizont erscheint.
Nur: Wer will es den Superstars übel nehmen. Handeln sie doch nur nach den Spielregeln der neuen schönen Fußball-Welt. Wer die Kapelle bezahlt, bestimmt auch die Musik.
Und solange die Fans in diese Melodie einstimmen, werden die Taktgeber ihr Verhalten nicht ändern.
Daniel.Mueksch@ovb.net