München – Drei Einheiten liegen seit dem Start der Sommervorbereitung am Montag hinter Niko Kovac und seinen Spielern, aber aus der Chefetage gibt es bereits ordentlich Druck. „Dieser Club lechzt nach der Champions League“, sagte Karl-Heinz Rummenigge gegenüber Sport 1. Gleichzeitig weiß der Vorstandsboss des FC Bayern aber um die Schwierigkeit des Königklassen-Triumphs: „Wir haben in 119 Jahren Clubgeschichte nur einmal das Triple gewonnen. Das wird manchmal vergessen. Natürlich war es eine großartige Erfahrung, die wir 2013 gemacht haben. Ich habe aber den Eindruck, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, diese Trophäe zu gewinnen. Trotzdem: Die Anstrengung Champions League ist immer wieder die ‚Benchmark’ und das hat weltweit natürlich eine wahnsinnige Ausstrahlung.“
Klare Ansage vom Boss an Trainer Kovac, nach dem frühzeitigen Achtelfinal-Aus in der Vorsaison heuer auch wieder für internationales Aufsehen zu sorgen. Der Kroate antwortete diplomatisch auf die Aussagen seines Vorgesetzten: „Das ist Fluch und Segen zugleich. Die Wertigkeit der Ligen fällt irgendwo ab, weil man nur noch über die Champions League spricht. Es schafft immer nur einer. Unser Ziel ist es, es dort zu erreichen. Bayern München hat fünf Mal die Champions League bzw. den Landesmeister-Pokal gewonnen. Jetzt haben wir es einmal in 20 Jahren geschafft. Das Aussprechen geht einfach. Die Umsetzung ist schwierig. Wir wollen es besser machen als letztes Jahr.“
Neben internationalem Erfolg fordert Rummenigge auch einen klar erkennbaren Bayern-Spielstil: „Ich glaube erst mal, dass sich ein Trainer der Spielkultur eines Klubs anpassen muss – und nicht umgekehrt. Ansonsten hat man auf dem Platz permanent einen Wechsel des Personals. Jeder Trainer hat seine Präferenzen darüber, wie ein Spieler in seinem System spielen soll.
Nur: Am Ende des Tages muss es ein Bayern-System geben, wie es ein Barcelona-System gibt. Das System, mit dem wir über Jahre und mit unterschiedlichen Trainern sehr erfolgreich waren und welches spektakulärsten Fußball beinhaltete.“
Die Art und Weise, wie Kovac in der vergangenen Saison Fußball spielen ließ, sorgte sowohl intern als auch bei den Fans für Unzufriedenheit. Vom dominanten Bayern-Fußball der vergangenen Jahre war trotz Meisterschaft und DFB-Pokalsieg nicht viel zu sehen. „Es wird jetzt eine wichtige Aufgabe von Niko Kovac sein, diese Spielkultur mit unserer verjüngten Mannschaft weiter zu kultivieren“, fordert der Vorstandsboss und fügt an: „Wir haben damit die Champions League gewonnen, standen damit dreimal im Finale und quasi immer im Halbfinale.“
In diesem Zusammenhang erlaubte sich Kovac gestern keine Widerworte: „Das sehe ich genauso. Das hat man gerade in der zweiten Saisonhälfte gesehen. Da haben wir zugelegt und hatten einen hohen Wiedererkennungswert, was die Marke Bayern München betrifft.“ Der Coach erhofft sich vor allem auch von der Verpflichtung von Hansi Flick als Co-Trainer den einen oder anderen spielerischen Impuls: „Er ist ein qualitativ hochwertiger Mensch. Das ist ein ganz toller Transfer, der uns gelungen ist.“
Übrigens: Die von der Süddeutschen Zeitung kolportierten vermeintlichen Rücktrittsgedanken dementierte Kovac.