Millionärssohn Norris auf der Überholspur

von Redaktion

Der Senkrechtstarter der Formel 1 hat seine Karriere nicht im Kart begonnen, sondern auf der Konsole

Silverstone – Auf Tipps des großen Lewis Hamilton, 34 konnte Lando Norris vor dieser Saison nicht bauen. „Ich habe ihn nicht angerufen“, sagte der McLaren-Jungspund: „Ich habe ja nicht mal seine Nummer.“ Doch auch ohne die Unterstützung des Superstars der Branche ist aus dem Teenie Norris eine der großen Überraschungen der bisherigen Formel-1-Saison geworden.

Die Formkurve bei Norris steigt und steigt, zuletzt legte der erst 19 Jahre alte Rookie zwei aufregende Rennen hin – und geht nun mit jeder Menge Selbstbewusstsein in sein Heimspiel in Silverstone. „Ich kann es kaum erwarten“, sagte der Brite voller Vorfreude auf den Klassiker am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky). Er freue sich, die „Atmosphäre zu erleben“, wolle „das Wochenende genießen“ und, ganz wichtig, Norris versprach seiner immer größer werdenden Fan-Gemeinde: „Wir werden so hart wie möglich daran arbeiten, wieder Punkte zu holen.“

Dass es Norris als derzeit WM-Achter in den bisherigen neun Rennen viermal in die Punkte geschafft hat, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist McLaren trotz eines Fernando Alonso in der jüngsten Vergangenheit abgehängt worden. Und nun macht sich Norris daran, den Ex-Weltmeister aus Spanien bei dem Traditionsrennstall vergessen zu machen. Und das Königreich beginnt zu träumen, dass der talentierte Teenie Hamilton irgendwann als Weltmeister beerben könnte.

Auf seinem Weg an die Spitze gilt Norris, der in den Nachwuchsserien dominierte und 2017 in der Formel 3 auch Mick Schumacher locker hinter sich ließ, als eine Art Gegenentwurf zu seinem Landsmann. Außer der Liebe zum schnellen Autofahren haben sie nicht wirklich viel gemeinsam. Norris kommt aus einem reichen Elternhaus, das Vermögen seines Vaters wird auf über 200 Millionen Euro geschätzt. Trotzdem verzichtet er auf ein Jetset-Leben. Zudem ist Norris der Prototyp der Generation Playstation: Er fing mit dem Rennsport nicht im Kart an, sondern auf der Konsole.

Erst kurz vor seinem siebten Geburtstag sah Norris sein erstes Kartrennen. „Es sah cool aus, also wollte ich auch mal fahren“, sagte Norris: „Damit ging es los, und ich machte meinen Weg nach oben.“ Vergleiche mit Racing-Point-Fahrer Lance Stroll, dem der Vorwurf anhaftet, dass sein Vater Lawrence Stroll die Karriere des Sohnes erkauft hat, lässt Norris nicht gelten. „Ich mag es nicht, permanent darüber zu reden, aber verglichen mit Stroll ist er nicht einmal annähernd so wohlhabend“, sagte er über seinen Papa.

Tatsächlich fährt Norris in einer ganz anderen Liga. Sein mit gut 400 000 Euro dotierter Vertrag bei McLaren wurde gestern ebenso bis 2020 verlängert wie der seines Teamkollegen Carlos Sainz jr. Es wird erwartet, dass Norris sein Gehalt versechsfacht. Norris will’s wissen auf dem Weg nach oben, Partys und Alkohol stehen bei ihm deshalb erst einmal auf dem Index. „Davon will ich mich dieses Jahr fernhalten. Das ist meine Chance in der Formel 1“, sagte er: „Die muss ich nutzen. Ich werde nichts Dummes tun und meine Karriere aufs Spiel setzen.“  sid

Artikel 5 von 11