Brioude – Publikumsliebling Julian Alaphilippe ist zurück im Gelben Trikot, Mitfavorit Thibaut Pinot nimmt Kurs den ganz großen Wurf: Bei der 106. Tour de France sind die Gastgeber pünktlich zum französischen Nationalfeiertag am Sonntag ins Rampenlicht gefahren. Während die deutschen Radprofis um den Tages-15. Tony Martin noch immer auf ihren ersten Tagessieg warten, wird bei der Grande Nation nach einer überragenden ersten Woche vom ersten Tour-Gesamtsieg seit 34 Jahren geträumt.
Am Samstag hatten der angriffslustige Alaphilippe und Landsmann Pinot den weiteren Favoriten auf der hügeligen Etappe einige Zeit abgenommen. „Die französische Allianz. Sie haben dem französischen Radsport Ehre erwiesen“, schrieb die Sport-Tageszeitung „L’Equipe“.
Auch der Sieg des Südafrikaners Daryl Impey in Brioude am Sonntag konnte die französische Party nicht stoppen, zahlreiche Zuschauer feierten auf den Straßen wieder einmal nur Alaphilippe. Der 27-Jährige vom Team Deceuninck Quick-Step startet auch heute im Gelben Trikot.
Nach einem kräftezehrenden Samstag ließen die Teams am Sonntag eine Fluchtgruppe um Zeitfahr-Spezialist Martin davonziehen, die sich schnell einen Vorsprung von zehn Minuten herausfuhr. Etwa 40 Kilometer vor dem Ziel wurde die Gruppe gesprengt, der Österreicher Lukas Pöstlberger riskierte ein Solo, wurde aber am Schlussanstieg eingeholt. Stattdessen siegte Impey im Sprint vor Tiesj Benoot und Jan Tratnik.
Früh überschattet wurde das neunte Teilstück von einem schweren Sturz des Italiener Alessandro De Marchi. Der Profi vom Team CCC stürzte nach wenigen Kilometern, lag zunächst regungslos auf dem Boden und wurde anschließend mit dem Krankenwagen abtransportiert. Der 33-Jährige erlitt einen Schlüsselbeinbruch, einen Rippenbruch, eine Lungenquetschung, oberflächliche Prellungen sowie eine Fleischwunde über der Augenbraue.
Einen weit harmloseren Abflug hatte Vorjahressieger Geraint Thomas am Samstag ohne bleibende Schäden überstanden. „Wäre ich nicht gestürzt, hätte die Geschichte vielleicht einen anderen Ausgang gehabt“, sagte der Waliser.
So überholte ihn Mitfavorit Pinot im Gesamtklassement. Der 29-Jährige wirkt auf den Punkt fit und dürfte die verbleibenden schweren Bergetappen in Pyrenäen und Alpen angriffslustig ins Visier nehmen, um Thomas und dessen Teamkollege Egan Bernal weiter zu fordern. „Ich bin in einer großartigen Form“, sagte Pinot nach dem Ausrufezeichen am Samstag.
Für die deutschen Profis läuft die Rundfahrt weiter ernüchternd. Emanuel Buchmann verbesserte sich zwar im Klassement auf Rang zehn, der erste Etappensieg lässt aber weiter auf sich warten.bi fortgesetzt. Heute wird die Tour mit einer 217,5 Kilometer langen Etappe nach Albi fortgesetzt. dpa