München – Ganz so leicht wollte Felix Neureuther Gastgeber Joachim Herrmann dann doch nicht davonkommen lassen. Wenn man schon mal da war, so hatte sich Deutschlands zurückgetretenes Ski-Ass wohl gedacht, dann konnte man auch gleich ein Herzensprojekt anbringen. Und so gab er Bayerns Innenminister den Ausbau des Schulsports mit auf den Weg. Widerspruch zwecklos: „Sie kommen mir nicht davon, Herr Herrmann, ich bin ein Nachbohrer.“
Neureuther konnte es sich leisten. Er war eine der Hauptpersonen bei der Gala zur Verleihung des Bayerischen Sportpreises. Für sein sportliches Lebenswerk hatte Laudator Herrmann dem angehenden TV-Experten – Neureuther wird demnächst wohl beim Bayerischen Rundfunk anheuern – den Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten in die Hand gedrückt. Die 650 mit reichlich Prominenz durchsetzten Gäste fanden es gut. So wie Paul Breitner, der vor allem wegen Neureuther selbst in die BMW-Welt gekommen war: „Weil der Felix für uns in der Familie einfach etwas Besonderes ist.“
Dabei hatte das Slalom-Ass reichlich Konkurrenz bei einer Gala, die mal wieder vom Wintersport dominiert war. Fünf der sieben Preise gingen an Protagonisten aus der kalten Jahreszeit. An die Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen und Josef Ferstl, Para-Biathletin Clara Klug und an Skispringer Markus Eisenbichler. Und natürlich an Laura Dahlmeier, die der Verleihung allerdings als Einzige fernblieb. Die urlaubende Ex-Biathletin hatte den Preis für die „herausragende bayerische Sportkarriere“ im Vorfeld bei einer Bergtour von Kumpel und Laudator Peter Schlickenrieder überreicht bekommen. „Ich bin bereit für etwas anderes“, sagte Dahlmeier in einem Video-Einspieler.
Neben den U18-Basketball-Europameisterinnen Emily Bessoir, Jessika Schiffer, Magdalena Landwehr, Luisa Geiselsöder, Julia Förner und Leonie Fiebich hatte es auch Reit-Weltmeisterin Simone Blum als „Sportbotschafterin in die Phalanx der Wintersportler gebracht. Die Zollingerin kam mit Ehemann, aber naturgemäß ohne ihr Erfolgspferd. „Alice weiß, dass sie die Beste ist“, deutete Simone Blum an, „aber so will sie auch behandelt werden.“ Das riecht nach Ärger.
Und dann war da eben Felix Neureuther. Der Skistar musste auf der Bühne natürlich auch seinen Ausflug ins Schlagergeschäft noch einmal ausbaden. Als Aprilscherz hatte er in diesem Jahr den schmalzigen Titel „Weiterziehn“ auf den Markt gebracht und prompt die Download-Charts gestürmt. „Das muss man sich mal vorstellen: Da kommt ein schwindliger Skifahrer und wird wochenlang die Nummer eins in Österreich“, sagt der 35-Jährige kopfschüttelnd. Der Sache folgte eine Masse an Angeboten, wie Neureuther andeutete („Der Wahnsinn“). Doch er blieb hart, eine Karriere in den Spuren von Hansi Hinterseer kommt für ihn nicht in Frage. „Wenn sich jeder auf das konzentriert, was er kann“, sagte Neureuther, „dann haben wir alle mehr davon.“