Sport oder Sponsoren

von Redaktion

Bayern-Chef Rummenigge verteidigt die heute beginnende US-Werbetour

VON JONAS AUSTERMANN UND ELISABETH SCHLAMMERL

München – Die sommerlichen Strapazen gehören zur Fanpflege und sollen helfen, den Werbewert des Vereins zu steigern. Der FC Bayern unternimmt seit Jahren in der Saisonvorbereitung Fernreisen: Singapur, China und immer wieder Amerika. Auch in diesem Jahr geht es in die USA, heute zunächst nach Kalifornien. Und wie immer gibt der Trip Anlass zu Diskussionen.

Angesichts von vier Flügen in zehn Tagen (über 20 000 Flugkilometer), drei Testspielen in Carson, Houston und Kansas City sowie Temperaturen von um die 30 Grad stellt sich tatsächlich die Frage: Sport oder Sponsoren – was steht hier eigentlich im Vordergrund? Für den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge gibt es zu den Reisen „keine Alternativen“, wie er im sid-Interview verriet. Der Double-Sieger müsse sich als „globale Marke“ präsentieren. Asien und die USA seien „Märkte, die jetzt schon wichtig sind und noch wichtiger werden. Wir müssen uns da zeigen.“ Die Vorbereitung auf die Mitte August beginnenden Bundesliga-Saison sieht Rummenigge „in keinster Weise belastet. Ganz im Gegenteil: Unsere Spieler mögen solche Reisen“.

Im Verhältnis zu anderen europäischen Topclubs wie Manchester United (Australien, China, Singapur und Wales) oder dem FC Barcelona (USA und Japan) halten sich die Münchner mit ihrer Sommertour sogar zurück. Ohnehin, so Rummenigge, zeigen die Fans Verständnis für den Trip in die Staaten. „Unser Spruch ‚In Bayern daheim, in der Welt zu Hause’ hat immer noch Gültigkeit“, sagt der Vorstandschef: „Wir gewinnen sogar weltweit Fans dazu.“

Der Punkt USA-Tour wandert somit auf die Liste der Themen, in denen Rummenigge und Niko Kovac unterschiedlicher Ansicht sind. Es seien „erschwerte Bedingungen“, sagte der Trainer: „Man muss zwölf Stunden nach Los Angeles fliegen, man hat neun Stunden Zeitunterschied. Man muss sich akklimatisieren und versuchen, das alles zu drehen.“ Neben den Testspielen gegen den FC Arsenal, Real Madrid und den AC Mailand will der Kroate sein Team mit schweißtreibenden Einheiten fit machen für die anstehende Saison. Nicht dabei sind Rekord-Transfer Lucas Hernández (Aufbau nach Innenbandriss) und Alphonso Davies (Urlaub nach Gold Cup).

Kovac wird wohl kein großer Befürworter der jährlichen Ausflugs mehr werden. Dafür reicht dem Bayern-Coach allein der Blick in den pickepackevollen Kalender des deutschen Rekordmeisters. Ein Auszug aus dem Programm: Eröffnung der Kurt-Landauer-Ausstellung im Los Angeles Museum of the Holocaust, Besuch des NASA-Space-Center in Houston, zudem ist ein Treffen mit Terminator Arnold Schwarzenegger in Los Angeles geplant. Dort werden die Bayern in Beverly Hills nahe Hollywood residieren.

Die Zeitverschiebung macht die Tour auch für Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu einer großen Herausforderung. Leroy Sané, das bayerische Transferobjekt der Begierde, weilt mit Manchester City in China – und ist den Münchner damit satte 15 Stunden voraus. Das könnte die ohnehin zähen Verhandlungen noch einmal verkomplizieren – und Salihamidzic sogar an einen Verzicht auf die Reise denken lassen.

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