Karl-Heinz Rummenigge, mit welchen Intentionen geht der FC Bayern erneut auf USA-Reise?“
Wir sind eine globale Marke und müssen uns präsentieren. Es ist ja kein Zufall, dass alle europäischen Topklubs in den USA oder Asien, speziell China unterwegs sind. Das sind Märkte, die jetzt schon wichtig sind und noch wichtiger werden. Als wir das erste Mal in Amerika waren, hatten wir da drei Fanclubs, jetzt sind es 150. Es gibt keine Alternative zu diesen Reisen.
Trainer Niko Kovac sprach von erschwerten Bedingungen in der Vorbereitung. Hat er recht?
Die Tour ist top organisiert. Unsere Leute haben da alle einen großartigen Job gemacht. Wir sind jetzt neun Tage in den USA, bestreiten drei Spiele. Es wird täglich trainiert. Und wenn wir zurückkommen, sind es noch rund drei Wochen bis zum Bundesligastart mit einem Trainingslager vorher auch wieder am Tegernsee. Ich sehe die Vorbereitung in keiner Weise belastet. Ganz im Gegenteil: Unsere Spieler mögen solche Reisen.
Sie sprachen zuletzt im Zusammenhang mit dem Transfermarkt von Menschlichkeit. Muss man sich diese auch leisten können?
Das Transfergeschäft wird jedes Jahr komplizierter und teurer. Trotzdem muss ein Club wie der FC Bayern seine eigene Philosophie haben, in der die Menschlichkeit eine Rolle spielt, und im Zweifel auf einen Spieler oder ein Geschäft verzichten. Wir haben trotzdem eine gute Mannschaft und müssen uns nicht beklagen.
Sitzt der FC Bayern nicht trotzdem in der Transferfalle, weil die Talente woanders hingehen und später als Stars nicht mehr zu haben sind?“
Junge Spieler wollen und müssen spielen. Bei der Qualität, die in Klubs wie Real Madrid, FC Barcelona oder Bayern München herrscht, ist das schwieriger als bei denen, die eine Stufe darunter stehen. Die Topklubs müssen immer höhere finanzielle Risiken eingehen, um Qualität und Erfolg zu gewährleisten. Das bereitet mir schon etwas Sorge.
Ist der FC Bayern international abgehängt?
Überhaupt nicht. Der FC Bayern steht im aktuellen UEFA-Club-Ranking immerhin auf Platz drei. Wir werden jetzt noch den ein oder anderen Transfer bewerkstelligen. Unsere Mannschaft wird auch in dieser Saison wieder sehr stark sein. Keine Sorge.
Wird der erwartete Topstar kommen?
Wir arbeiten mit Volldampf am Transfermarkt. Und wichtig ist, dass wir keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Wenn es was Konkretes zu verkünden gibt, werden wir das tun. Und bitte nicht vergessen, wir haben bis zum 2. September Zeit, neue Spieler zu verpflichten. Schaun mer mal.
Ist dafür überhaupt noch Geld auf dem berühmten Festgeldkonto?
Das Festgeldkonto wird ohne Frage in diesem Jahr geringer. Die Ablösesummen sind ja schon der Wahnsinn, aber noch vielmehr bereitet mir die Explosion der Gehälter Bauchschmerzen. Wir sprechen oftmals über unglaubliche Summen, gerade bei den großen Clubs im Ausland. Und wenn du dir als FC Bayern so einen Spieler ins Haus holst, hast du mit Gehalt und Beraterhonorar plötzlich pro Jahr 40 Millionen Euro Minus in der Bilanz stehen. Daher müssen wir mit kühlem Kopf, sehr überlegt und nicht emotional vorgehen.
Wie wichtig ist es bei der Verpflichtung solcher Top-Stars, eine realistische Chance auf den Champions-League-Titel zu bieten?
Wir brauchen nicht groß drumherum reden: Das ist die Königsklasse, der wichtigste Titel, der im Clubfußball zu vergeben ist. Der FC Bayern ist ohne Champions League nicht mehr darstellbar: Image, Finanzen, Sponsoren – davon hängt alles ab. Und wenn du da erfolgreich bist, hast du die Aufmerksamkeit der gesamten Welt.
Falls es nicht klappt: Flammt dann die Trainerdiskussion wieder auf?“
Wir haben gerade das Double gewonnen und eine erfolgreiche Saison gespielt. Ich gehe auch in die neue Saison jetzt mit einem guten Gefühl. Die deutsche Meisterschaft geht auch dieses Jahr nur über den FC Bayern. Und was den Trainer betrifft, sind wir alle an Kontinuität interessiert.
Wann ist die neue Saison dann eine erfolgreiche?“
Wenn es uns gelingt, einen guten Transfermarkt zu machen – dann müssen wir aber noch das ein oder andere bewerkstelligen –, dann bin ich überzeugt, dass wir zum achten Mal in Folge Deutscher Meister werden. Das ist das Brot- und Buttergeschäft. Aber ich gebe offen zu: Es ist nicht der wertvollste Titel. Das ist die Champions League. In der Bundesliga sind wir nach wie vor die Benchmark, in Europa wäre es gut, weiter zu kommen als in der letzten Saison.
Interview: Thomas Niklaus und Marco Mader