Dietrich weg – freie Bahn für Redner Adrion

von Redaktion

Ex-Profi und -Trainer will Zickzackkurs beim VfB Stuttgart beenden – „Peinliche Provinzposse“

Stuttgart – Erschüttert vom Chaos, zermürbt von den ewigen Attacken: Die peinliche W-LAN-Panne bei der denkwürdigen Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in einer brodelnden Mercedes-Benz Arena hat Präsident Wolfgang Dietrich den Rest gegeben. Nur 15 Stunden nach der schwäbischen „Provinzposse“ trat der Clubchef des Absteigers von seinen Ämtern zurück – und hinterlässt eineinhalb Wochen vor dem Auftakt der 2. Liga ein heilloses Durcheinander und Machtvakuum.

„Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren“, schrieb Dietrich am Montagvormittag auf seiner Facebook-Seite. Dass er die Versammlung am Vorabend wegen der technischen Probleme noch vor seiner möglichen Abwahl nach drei Jahren als Präsident hatte abbrechen müssen, „hätte ich niemals für möglich gehalten“, ergänzte er: „Was wir als Verein unseren anwesenden Mitgliedern hier zugemutet haben, ist fürchterlich.“ Die Stuttgarter Zeitung/Nachrichten schrieben von einer „Blamage“ und „peinlichen Provinzposse“, der VfB habe „einen Tiefpunkt seiner Vereinsgeschichte“ erreicht.

Dietrich selbst sprach beim Abbruch, dem lautstarke Unmutsäußerungen („Dietrich raus!“) der über 4000 Mitglieder folgten, von einem „weiteren schwarzen Tag“ nach dem dritten Bundesliga-Abstieg im Mai. Dietrichs Rücktritt sei „konsequent“, sagte Rainer Adrion, „in der Summe wurde es einfach zu viel“. Der frühere VfB-Profi und Trainer (auch der SpVgg Unterhaching) hatte mit einer Rede für Aufsehen gesorgt, in der er in den Führungsgremien mehr sportliche Kompetenz anmahnte. Das Aus von Dietrich habe er nicht forcieren wollen, beteuert er, doch Adrion sorgt sich wie viele Ehemalige um „seinen“ VfB. „Schlimmer geht’s ja nimmer“, sagt er. „Die Philosophie der letzten Jahre war ein Zickzackkurs, das war Management bei Versuch und Irrtum ohne Nachhaltigkeit“, sagt Adrion, „es gibt keine DNA, keine Identität. Das ist das Kernproblem.“

Und soll sich ändern. Adrion erhielt viel Zuspruch, er prüft die Möglichkeit, selbst mit einer Gruppe aktiv zu werden. Nach Dietrichs Aus sind die Posten des Präsidenten und Aufsichtsratschefs vakant, zudem sucht der VfB einen Vorstandsboss. Adrion sieht „die Chance, dass die sportliche Kompetenz in den Gremien deutlich erhöht wird“. Sollte er selbst eine Rolle spielen, will er dies nur in Abstimmung mit Sportvorstand Thomas Hitzlsperger – erhielt den größten Applaus – und Kaderplaner Sven Mislintat tun.  sid

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