„Mit einem neuen Trainer ändert sich vieles“

von Redaktion

INTERVIEW Borussia Mönchengladbachs Yann Sommer über das Trainingslager am Tegernsee

Rottach-Egern – Yann Sommer ist der große Rückhalt von Borussia Mönchengladbach. Der 30-jährige Torhüter hatte mit nur 18 Gegentoren großen Anteil an der starken Hinrunde in der vergangenen Bundesliga-Saison. In Vertretung des verletzten Lars Stindl führte der Schweizer die Mannschaft vom Niederrhein 15 Mal als Kapitän aufs Feld. Am Rande des Trainingslagers am Tegernsee spricht Sommer über den Einbruch nach der Winterpause, die noch geglückte Europa-League-Teilnahme und den neuen Trainer Marco Rose.

Herr Sommer, hinter Ihnen liegt eine erfolgreiche Saison. Sie haben 13 Mal zu null gespielt.

Wir hatten allgemein ein gutes Jahr erlebt. Es war unser großes Ziel, wieder im europäischen Wettbewerb dabei zu sein, und das haben wir geschafft. Das freut uns sehr. Und auch für mich persönlich war es ein sehr konstantes Jahr, ich habe viele gute Spiele gemacht. Es ist immer schön, wenn man ein Jahr so abschließen kann.

Die Fans haben Sie zum Spieler der Saison gewählt. Was bedeutet Ihnen das?

Das ehrt einen natürlich. Ich glaube, es gibt kein besseres Feedback, als von den Fans. Das sind die Leute, die im Stadion sitzen, das sind die Leute, die dich sehr kritisch beobachten. Neben den Medien (schmunzelt). Nein, das freut mich. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

Für Sie war es eine erfolgreiche Saison, mit der Mannschaft wäre mehr drin gewesen. Wie ist der Einbruch nach der Winterpause zu erklären?

Von einem Einbruch würde ich nicht sprechen, aber natürlich haben wir es nicht geschafft, die sensationelle Hinserie zu wiederholen. Es war klar, dass das schwierig wird, aber das war unser Ziel. Auch wenn uns dies bekanntlich nicht geglückt ist, haben wir die Saison mit der Europa League abgeschlossen, das ist toll. Aber klar, es muss unser Ziel sein, dass wir es schaffen, konstant durch die ganze Saison durchzugehen. Dann sind die Möglichkeiten noch einmal ganz andere.

Negativer Höhepunkt war die 1:3-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf mit drei Gegentoren in sechs Minuten.

Das war sicher ein Tiefpunkt, zumal es ja ein Derby war. Man kann manchmal auch gar nicht erklären, warum es so kommt. Das hat vielleicht auch mentale Gründe: Die Mannschaft beschäftigt sich dann noch zu sehr mit den Spielen, die nicht gut liefen. Und dann kommst du in eine Negativ-Spirale rein. Das ist der Sport. Und da müssen wir jetzt probieren, dass uns das hoffentlich nicht mehr passiert.

Bald beginnt ja die neue Bundesligasaison. Mit Marco Rose haben Sie einen neuen Trainer. Wie ist Ihr Eindruck?

Sehr gut. Mit einem neuen Trainer ändert sich vieles, es kommt ein neuer Stil, ein neuer Charakter, er bringt auch neue Leute mit. Das braucht ein paar Tage, bis sich die Mannschaft adaptiert hat, sich daran gewöhnt hat. Aber das macht Spaß. Er erwartet viel von uns. Wir trainieren gut und hart. Schauen wir, was rauskommt.

Welchen Fußball möchte Marco Rose spielen?

Er möchte mit mehr Power nach vorne gehen, viele Sprints und Gegenpressing machen. Also ein bisschen andere Schwerpunkte als in den letzten Jahren. Da ist es auch normal, dass die Mannschaft ein paar Tage braucht, bis sie sich daran gewöhnt.

Im Trainingslager stehen zwei Testspiele auf dem Programm. Am Mittwoch ging es gegen Basaksehir Istanbul, am Samstag in Rottach gegen Rayo Vallecano. Erkennt man den neuen Stil schon?

Es sollte so sein. Es wäre nicht gut, wenn nicht (lacht). Wir haben jetzt die ersten Tage den neuen Stil vom Coach schon oft trainiert und viele Dinge angeschaut. Die Freundschaftsspiele sind dazu da, um das umzusetzen und diese Dinge anzuwenden. Ich finde diese Spiele immer spannend, weil du kannst viel ausprobieren. Klar funktioniert noch nicht alles. Aber du hast ein paar Spiele, um das auszuprobieren. Und dann sollte man was sehen.

Neben dem Trainer haben Sie mit Breel Embolo, Stefan Lainer, Max Grün und Lászlo Bénes auch vier neue Spieler im Team. Sind diese schon integriert?

Lászlo war ja nur verliehen, ist also kein echter Neuzugang. Aber es ist generell nicht schwierig, bei uns als Neuankömmling in die Mannschaft reinzukommen, weil wir die Spieler immer sehr gut aufnehmen. Es ist auch immer spannend: Die Mannschaft wird ein bisschen neu zusammengewürfelt, du musst wieder ein Team werden für die Saison. Spannend.

Was ist in der neuen Saison möglich?

Alles.

Alles?

Alles ist möglich. Klar setzen wir uns intern Ziele. Aber dieser Punkt, dass wir jetzt schon zwei, drei Jahre am Stück diesen Einbruch hatten – das ist ein Ziel, dass wir das nicht mehr erleben wollen. Wir wollen konstant durchgehen. Wir genießen in dem Jahr jetzt mal die internationalen Spiele und wollen auch da was erreichen. Und dann schauen wir, wie es nächstes Jahr aussieht.

Sie sind 30 Jahre alt und gehen in Ihre sechste Saison bei Gladbach. Wollen Sie ihre Karriere hier beenden, oder reizt Sie noch mal etwas Neues?

Das kann man so nicht beantworten. Nicht, weil ich nicht will, sondern weil es einfach schwierig ist. Es kommt immer auf den Moment oder auch das Gefühl an. Im Moment fühle ich mich wohl hier. Es ist meine sechste Saison, ja das ist lang. Aber man weiß nicht, wie’s läuft. Man kann nichts planen in einer Fußball-Karriere. Ich freue mich jetzt einfach auf die Saison (schmunzelt).

Interview: Julia Pawlovsky

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