Unsichere Platzhirsche

von Redaktion

Bei der Niederlage gegen Arsenal zeigt der FC Bayern Licht und Schatten

VON JONAS AUSTERMANN

Los Angeles – Erstes Spiel, erste Niederlage, erste Erkenntnisse! Vor mehr als 26 000 Zuschauern im Dignity Health Sports Park von Los Angeles verlor der FC Bayern den Testkick gegen den FC Arsenal mit 1:2. Nach den ersten 90 Minuten der Saison ist es gewiss zu früh für Schlussfolgerungen – ein paar Erkenntnisse lieferte die Partie aber bereits. Unsere Analyse:

Die neue Innenverteidigung braucht noch Zeit. In Halbzeit eins verteidigten der etatmäßige Sechser Javi Martinez, 30, und der abwanderungswillige Jerome Boateng, 30, gemeinsam in der Defensivzentrale. Und die beiden Routiniers machten ihre Sache gar nicht schlecht. Klare Chancen für Arsenal blieben trotz guter Ansätze Mangelware (nur ein Torschuss). Dabei hatte Unai Emery, Coach der Gunners, seine vermeintlich beste Offensivformation aufgeboten: Pierre-Emerick Aubameyang, Henrich Mchitarjan, Mesut Özil und Alexandre Lacazette. Thomas Müller meinte: „Wir haben Arsenal ganz gut im Griff gehabt. Ohne Torchancen gegen dich bekommst du so ein Spiel nie über die Bühne.“

Deutlich wackliger wurde die Angelegenheit in Durchgang zwei – obwohl mit Abwehrchef Niklas Süle, 23, und Neuzugang Benjamin Pavard, 23, die eigentlichen Platzhirsche auf dem Platz standen. Zumindest dürften sie das sein, solange Lucas Hernandez (nach Innenbandriss) noch nicht ganz fit ist. Am Mittwochabend (Ortszeit) aber stand das Gespann bei beiden Gegentoren auf dem Rasen. Pavard spielte im Aufbau zwar einige gute Pässe, wirkte in der Rückwärtsbewegung allerdings nachlässig. Nebenmann Süle ist traditionell ein Spieler, der nach der Sommerpause ein bisschen Zeit braucht, um wieder in Tritt und Topverfassung zu kommen. Hinzu kommt bei dem neuen Duo natürlich die (noch) fehlende Harmonie. Torhüter Manuel Neuer sagte: „Bei der Abstimmung ist es so, dass man von Tag zu Tag voneinander lernt. Wir versuchen, uns weiterzuentwickeln und uns abzustimmen. Das ist ein Prozess.“

Die Kapitäne vermitteln beim Transfer-Frust: neue Spieler, und das lieber gestern als heute. Dieser Wunsch zieht sich wohl durch die komplette Mannschaft des FC Bayern. Einzelne Akteure oder deren Berater äußerten das auch, zuletzt noch Robert Lewandowski. Jetzt schreiten mit Neuer und Thomas Müller der Kapitän und sein Stellvertreter ein. Letzterer meinte nach dem 1:2 gegen Arsenal: „Es werden Verstärkungen gesucht, es ist alles in der Spur.“

Und sogar der Münchner Keeper argumentierte in diese Richtung. Er sagte: „Noch ist nicht aller Tage Abend. Unser Sportdirektor ist nicht umsonst zu Hause geblieben. Wir vertrauen auf unsere Bosse und wissen, dass sie einen guten Job machen.“ Pikant: Ausgerechnet Neuers Berater Thomas Kroth hatte mit seinen Aussagen in der SZ für das erste Aufflackern der Transfer-Diskussion gesorgt. Neuer stellte nun klar: „Wenn ich etwas zu sagen habe, sage ich es den Bossen und nicht über eine Zeitung. Das läuft hinter verriegelten Türen und ist nichts für die Öffentlichkeit.“ Auch wenn der USA-Trip nach entspannten Tagen klingt: Trainer Niko Kovac zieht trotz Urlaubskulisse in der Vorbereitung die Zügel in Kalifornien an.

Der Bayern-Coach lässt oft zweimal täglich auf dem Gelände der University of California, Los Angeles trainieren. Müller erklärte nach dem Test gegen Arsenal London: „Wir haben heute vor dem Spiel fast am intensivsten trainiert bisher.“

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