Der Schlussakkord klang jämmerlich. 0:4 gingen die ersatzgeschwächten Sechziger am 18. Mai beim FC Carl-Zeiss Jena baden – es war die siebte Niederlage in den letzten acht Saisonspielen, ein Offenbarungseid in Weiß-Blau. „Psychisch waren heute viele überfordert“, lautete das Fazit von Günther Gorenzel. Und damit hatte der blaue Sport-Geschäftsführer auch schon die Überschrift für die Sommerpause vorweggenommen.
Wenn die Sechziger heute Abend auf Giesings Höhen gegen Preußen Münster in ihre zweite Drittliga-Saison starten, liegen zwei Monate voller Nervenproben hinter den Beteiligten. Finanzierungs- und Kaderfragen, persönliche Diffamierungen – die Wunden, die im Präsidentschafts-Wahlkampf geschlagen wurden, sind beachtlich. Besonders hervorgetan hat sich Investor Hasan Ismaik, der die Wiederwahl von e.V.-Boss Robert Reisinger öffentlich als „Tragödie“ bezeichnete und die dringend benötigte Kapitalerhöhung in der gegenwärtigen Personalkonstellation empört ausschloss.
Und so gehen die Löwen heute Abend in eine Spielzeit, die vor allem von Verunsicherung gekennzeichnet ist. Niemand kann sagen, ob die Spielerdecke dick genug ist, um in der engen Liga ein zweites Mal mit einem blauen Auge davonzukommen. Schwarzmalerei? Es sei daran erinnert, dass die Bierofka-Elf in der abgelaufenen Saison 20 ihrer 47 Punkte gegen die vier späteren Absteiger Cottbus, Lotte, Fortuna Köln und Aalen holte. Die Aufsteiger Waldhof Mannheim, Chemnitz, Bayern II und Viktoria Köln sind finanziell und sportlich aus härterem Holz geschnitzt. Ganz zu schweigen von Traditionsclubs wie Eintracht Braunschweig und Kaiserslautern, die mit der klaren Zielsetzung in die Saison gehen, das zweite Jahr in der Insolvenzliga zu ihrem letzten zu machen.
Gesünder und damit vorbildlicher agiert die SpVgg Unterhaching, die sich mit dem Gang an die Börse eine Eigenkapitalbasis geschaffen hat, von der 1860 trotz aller Traditionsvorteile nur träumen kann. Echte Vorfreude mag so nur bei Löwen-Fans aufkommen, deren Kurzsichtigkeit höchstens bis zum nächsten Spieltagsbier reicht. Fremdfinanzierte Flickschusterei ersetzt keine Perspektive. Oder wie es Daniel Bierofka im großen Trainerinterview formuliert: „Wir müssen schauen, dass wir unseren eigenen Laden in den Griff kriegen.“ In diesem Sinne: Auf geht’s!
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