Aachen – Nur 0,37 Sekunden fehlten Daniel Deußer zum Sieg. Nur der Amerikaner Kent Farrington war beim Höhepunkt des CHIO in Aachen mit Gazelle schneller als der deutsche Springreiter mit Tobago. „Schade, das war knapp“, sagte Deußer nach dem zweiten Platz im Großen Preis des berühmtesten Reitturniers der Welt.
Der letzte Ritt entschied. Deußer musste mit Tobago schneller reiten als Farrington, der später sagte: „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.“ Deußer blieb mit seinem Hengst zwar fehlerfrei, war aber einen Tick zu langsam. „Mein Pferd wollte im Stechen erst nicht so richtig loslaufen“, so Deußer: „Ich hatte trotzdem erst gedacht, dass es reichen könnte.“ Mit dem zweiten Platz beim größten Turnier der Welt sei er „dennoch superglücklich“.
„Daniel war hier überragend“, lobte Bundestrainer Otto Becker. „Er hat derzeit einen Lauf. Er ist sehr erfolgreich – und das mit verschiedenen Pferden.“ Für das zweitbeste Ergebnis der Gastgeber sorgte Simone Blum. Die Weltmeisterin aus Zolling kassierte in der dritten Runde des Turnier-Höhepunktes einen Abwurf und musste sich mit Platz vier zufrieden geben. „Sie kam im Stechen nicht so richtig in den Rhythmus“, kommentierte der Bundestrainer.
Überraschend stark war Sven Schlüsselburg, 37. Der CHIO-Debütant aus Ilsfeld schaffte mit Bud Spencer zwei Runden ohne Abwurf, kassierte lediglich zwei Strafpunkte wegen Zeitüberschreitung. „Ich kann es selber nicht glauben, bin glücklich und dankbar“, kommentierte er seinen achten Platz.
Vorjahressieger Marcus Ehning hatte schon nach der ersten Runde keine Chance auf eine Wiederholung des Erfolges. Am letzten Hindernis kassierte der bis dahin fehlerfreie 45-Jährige aus Borken mit Funky Fred einen Abwurf. „Der letzte Sprung ist mir diese Woche nicht hold“, kommentierte Ehning – denn im Preis von Europa und im Nationenpreis war ihm das gleiche Malheur kurz vor dem Ziel passiert. „Ich bin mit der Woche trotzdem nicht unzufrieden.“
Ehning war nicht der einzige Deutsche, der am letzten Sprung scheiterte. Auch Christian Ahlmann (Marl) mit Clintrexo und Hendrik Sosath (Lemwerder) mit Lady Lordana scheiterten an derselben Stelle. „So ein Scheiß“, entfuhr es Ahlmann: „Ich hatte so einen Schwung und hätte umschalten müssen.“
„Das kriegt man natürlich mit“, sagte Blum über die schwierigste Stelle im Parcours, die sie meisterte: „Da passt man dann natürlich besonders auf. Aber es war von vornherein klar, dass das ein gefährlicher Sprung ist.“ In der zweiten Runden blieb sie ebenfalls fehlerfrei, ehe im Stechen eine Stange fiel.
Drei Stunden vor Beginn des wichtigsten Springens gab es in Aachen eine Siegerehrung, wie sie selbst die erfolgreichste Reiterin der Welt noch nicht erlebt hat. 6000 Zuschauer stimmten nach dem erneuten Triumph von Isabell Werth „Happy Birthday“ an, gratulierten ihr so zum 50. Geburtstag. Mit feuchten Augen lauschte die Rekordreiterin dem Ständchen und sagte dann: „Das ist ein tolles Gefühl – danke. Sie haben mir einen großartigen Geburtstag bereitet.“
Die Seriensiegerin behielt auch an ihrem Ehrentag die Nerven und gewann zum 13. Mal den Großen Dressur-Preis von Aachen. Für die Kür mit der Stute Bella Rose erhielt Werth 90,450 Prozent und hielt Dorothee Schneider aus Framersheim mit Showtime (89,660) knapp auf Distanz. „Doro hat gut vorgelegt“, kommentierte die Siegerin: „Da musste ich Gas geben.“ dpa